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Kunst bleibt frei

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Auch in „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“ verwandelt Jonas Jonasson die sensibelsten Themen mit schwarzem Humor in Unterhaltung.

Buchcover „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“ von Jonas Jonasson

Victor ist ein kunsthassender Kunsthändler, der sowieso alles abscheulich findet, was nicht völkisch rein ist. Glücklicherweise lässt sich die ansonsten nutzlose Galeristentochter Jenny leicht heiraten, so dass er das ganze Geschäft an sich reißen und sie anschließend abstoßen kann. Auch den unehelichen Sohn Kevin mit falscher Hautfarbe kann er kurzerhand irgendwo in Afrika aussetzen – Problem gelöst. Wäre da nicht der Massaikrieger, der Kevin adoptiert und ihn bei seinem aberwitzigen Racheplan gegen Victor unterstützt. Mit schwarzem Humor macht Jonas Jonasson die sensibelsten Themen zur Unterhaltung. Allerdings besteht die Gefahr, dass trotz der guten Absichten, auf bedrohte Demokratien aufmerksam zu machen und die Freiheit der Kunst zu würdigen, genau diese Punkte in der albernen Stimmung untergehen. Mitunter wiederholt sich die absurde Komik und ermüdet. Wer den heiter-grotesken Ton aber durchhält, bekommt von dem schwedischen Autoren letztlich ein wohltuendes Spiegelbild, das für globale Schieflagen sensiblisiert und mit einer feierlichen Lobeshymne auf die Menschlichkeit endet.

Mit „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“ hat es Jonas Jonasson auf unsere Liste der besten Bücher im Dezember 2020 geschafft.