MUSIK

„Shiny Things“ von Kat Frankie: Wie wir leben wollen

Portraitfoto Kat Frankie, im grünen Kleid, zur Seite geneigt
„Shiny Things“ von Kat Frankie ist am 13. Mai 2022 auf den Markt gekommen.Foto: Elina Kechicheva

Kat Frankie, würdest du zustimmen, wenn ich „Shiny Things“ als Protestalbum bezeichne?

Kat Frankie: Ich würde sagen, es ist ein Protestalbum, das nicht nach einem Protestalbum klingt. Für mich ist es vielleicht eher der Anfang einer Diskussion.

Eine Diskussion mit anderen? Oder mit dir selbst?

Frankie: Beides! Zumindest in meinem Umkreis sind die Leute in den letzten Jahren politischer geworden, auch weil wir mehr Zeit hatten, über die Welt nachzudenken und darüber, wie wir leben wollen. Und über die Frage, ob Musik eigentlich etwas verändern kann. Vielleicht passt die Bezeichnung Forschungsprojekt besser als Protestalbum. Früher habe ich viele Trennungslieder und Balladen geschrieben, meine Texte waren ziemlich abstrakt. Jetzt wollte ich direkter sein.

Hast du schon eine Antwort gefunden?

Frankie: Noch nicht. Ich denke, Protest und Aktivismus haben kein Ende, sie sind Prozesse, eine Lebensweise, wie Revolution. Wir leben in einer Zeit, in der eine kleine Anzahl an Leuten sehr viel Macht hat. Wenn wir unsere Welt ändern wollen, müssen wir gemeinsam auf ein Ziel zuarbeiten. In den letzten zwei Jahren waren die Menschen sehr isoliert, und Musik hat die Superkraft, uns zusammenzubringen. Die Frage ist, ob das reicht – oder ob wir Musiker:innen mehr machen sollten, als zu Hause zu bleiben und Lieder zu schreiben.

Welche konkreten Probleme haben dich inspiriert, über dieses Thema nachzudenken?

Frankie: Ich komme ja aus Australien, wir sind ein koloniales Land. Das habe ich schon mit meiner A-cappella-Show „Bodies“ behandelt, die wir direkt vor der Pandemie gemacht haben: Songs über Territorien, Eigentum und die Positionierung von Körpern – alles sehr konzeptuell. Dann habe ich begonnen, mich sehr für Hongkong zu interessieren, für die Fragen nach Wahlrecht, Demokratie und dem Recht auf Protest. Irgendwas daran hat mich unglaublich traurig gemacht. Das war der Anfang dieser Auseinandersetzung, glaube ich.

Hast du dich passend zur neuen Richtung auch bewusst für einen anderen Sound entschieden?

Kat Frankie: Ich bin für „Shiny Things“ zurück zu den Wurzeln gegangen, habe viel Indierock aus den 90ern gehört. Zum Beispiel die ersten beiden Platten von Radiohead und PJ Harveys Frühwerk. Gerade gibt es viel White Noise im Radio, Dinge werden für den Algorithmus produziert, mit Ableton-Plugins. Früher war es einfach Gitarre, Bass, Drums. Das hat gereicht, um einen Song zu transportieren – und es war sanfter zu den Ohren. Eigentlich wollte ich eine 90er-Rockplatte machen, aber weil ich ich bin, gibt es eben doch ein bisschen Dramaturgie in den Arrangements: Celli, viel Background-Gesang, solche Sachen.

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