MUSIK

„Alle diese Jahre“ von Kate Louisa: Heiter und wolkig

Portraitfoto Kate Louisa
Foto: David Goltz

Kate Louisa, du machst eigentlich schon lange Musik, hast sogar Pop studiert. Warum hat es bis zum Debütalbum so lange gedauert?

Kate Louisa: Ich wollte schon als Kind Sängerin werden: Es gibt ein Video, wie ich mit drei Jahren auf einen Stuhl klettere und vor 300 Leuten auf der Geburtstagsfeier meines Opas einen Song singe. Aber in meiner Familie sind eigentlich alle Steuerberater oder BWLer, und mein Umfeld hat sehr lange versucht, mich diesem Muster anzugleichen. Deshalb habe ich mich stark verbogen, was dazu geführt hat, dass ich in meiner Jugend sehr krank war und mit Depression, einer Essstörung und Panikattacken zu kämpfen hatte – obwohl ich also immer Musik gemacht habe, habe ich mich lange Zeit nicht getraut, mich zu zeigen.

Was musste passieren, bis du so weit warst?

Kate Louisa: Da die Liebe so groß war, habe ich trotz allem Musik studiert und angefangen, in verschiedenen Projekten zu arbeiten. Da gab es auch Interesse von großen Firmen wie Sony oder Universal, die Musik ging allerdings stärker in Richtung Schlager. Erst, als ich begonnen habe, mich mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, habe ich gemerkt: Eigentlich bin ich das nicht. In einem eklatanten Moment hat mein Manager zu mir gesagt: Ach Kate, du bist immer Everybody’s Darling. Das passt super mit dem Schlager, weil man merkt, dass dir noch nie etwas Negatives passiert ist. Und das bei meiner Geschichte! Da habe ich mich daraus gelöst, mich ans Klavier gesetzt und angefangen, eigene Songs zu schreiben und EPs aufzunehmen. Doch bis ich den Punkt erreicht habe, wo es ans Eingemachte geht, hat es nochmal zwei Jahre gedauert.

„All diese Jahre“ geht textlich sehr offen mit der düsteren Zeit in deinem Leben um, aber musikalisch ist es sehr sonnig und positiv. Illustriert das auch deinen eigenen Umgang mit deinen Traumata?

Kate Louisa: Mir war wichtig, dass es kein Mitleidsalbum wird. Deswegen sind die Lieder auch sehr klar und deutlich gesungen und haben immer eine positive Botschaft. Ein Management, dem ich das Album geschickt habe, hat gesagt: Eigentlich ganz toll, aber wieso singst du das nicht mit zerbrochener Stimme? Aber genau darum geht es eben nicht. Ich bin ja nicht die, die sagt: Ich mache jetzt noch dieses Album und springe danach von der Brücke. Im Gegenteil: Ich habe viel durchgemacht, und es gibt immer noch Zeiten, in denen ich mit Panik oder Depression kämpfen muss, wie es zum Beispiel der Track „Einmal im Jahr“ erzählt. Aber ich weiß mittlerweile: Auch, wenn es manchmal hart ist, egal, wie schwer unser Rucksack der Vergangenheit ist, wir können ihn ablegen. Wir können es da rausschaffen, und es wird wieder hell. Das ist es, was ich mit dem Album ausdrücken möchte.

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