„Nadine“ von Katrin Seddig: Tickende Zeitbombe
Mit „Nadine“ wagt sich Katrin Seddig erneut auf das Schlachtfeld dysfunktionaler Familien und durchleutet die Weitergabe von Verletzungen über mehrere Generationen.

„Nadine“ von Katrin Seddig ist unsere Buchempfehlung der Woche.
„Soll der Alltag sein Werk tun, sie unterwirft sich ihm und führt seine Anweisungen aus. Er erzeugt immer wieder dieselben Regungen in ihr.“ Von klein auf hat sie vom despotischen Vater eingetrichtert bekommen, nicht zu laut zu reden und sich gerade zu halten. Nadine schlägt als junges Mädchen einfach zu, wenn sie nicht weiterweiß, doch mit Anfang 50 kann sie ihre Impulse einigermaßen kontrollieren.
Sie erfüllt Erwartungen und spielt ihre Rolle als Tochter, Ehefrau, Mutter und Angestellte in einem Anwaltsbüro. Bis zu dem Tag, an dem sie vom Selbstmord ihrer erwachsenen und bereits selbst schon verheirateten Tochter Mizzi erfährt und sich nach und nach rausstellt, dass Mizzi einen heimlichen Liebhaber gehabt hat, wegen dem sie wohl auf die Bahngleise gegangen ist …
Mit „Nadine“ wagt sich Katrin Seddig erneut auf das Schlachtfeld dysfunktionaler Familien
Erneut wagt sich Katrin Seddig auf das Schlachtfeld dysfunktionaler Familien, und auch wenn sie ihren sechsten Roman so spannend wie einen Thriller baut, setzt sie immer wieder zum Zeitsprung an, um die Weitergabe von Verletzungen über mehrere Generationen zu durchleuchten und ihre Figuren mit psychologischer Tiefenschärfe, gebührendem Respekt aber eben auch dem so typischen Seddig-Humor zu zeichnen.
„Nadine“ von Katrin Seddig ist unsere Buchempfehlung der Woche. Zuletzt haben wir an dieser Stelle „Der Tanzende“ von Victor Jestin vorgestellt.
Literatur


Barrio | Bairro 2026: Zeitgenössische lateinamerikanische Literatur in Berlin
Vom 2. bis 18. Oktober findet zum dritten Mal das lateinamerikanische Literaturfestival Barrio | Bairro statt.

Manik Sarkar stellt „Ochsenkopf“ vor
In seinem spektakulären Debüt „Ochsenkopf“ erzählt der Niederländer Manik Sarkar von einem feingeistigen Metzgersohn.

„Schöne Ruinen“ von Jess Walter
„Schöne Ruinen“ von Jess Walter ist ein Pageturner – und zugleich eine melancholische Meditation über das Älterwerden, die Liebe, die Verantwortung, die wir gegenüber unseren Mitmenschen haben.
