MUSIK

„Mad Lad“: Ronnie Woods Tribut an Chuck Berry

Klar, sie sind die beiden großen Rampensäue der Rolling Stones: Jagger und Richards. Von denen wird hier aber nicht die Rede sein. Jetzt geht’s mal um den Mann, ohne den Stones-Poser Richards nur halb so gut wäre: Immer ein paar Meter hinter oder neben ihm steht dieser konzentrierte und abgebrühte Ronnie Wood, der den gemeinsamen Gitarrensound der beiden gern mit der Arbeit von Webern vergleicht. Kann man, muss man aber nicht unbedingt verstehen, wenn man sich nicht für die Spieltechnik von Gitarristen interessiert. Was zählt, ist das Ergebnis: nahtlose, treibende Saitenarbeit, die sich aus großen Traditionen speist.

Rückblick

Das Leben dieses Ronnie Wood ist ja im wahrsten Sinne des Wortes ein Gesamtkunstwerk, denn die Malerei war und ist ihm ebenso wichtig wie sein Dasein als Musiker und seine frühen Gehversuche als Schriftsteller. In den 60ern wurde Wood von seinen Brüdern geprägt, die gemalt und Rock’n’Roll gespielt haben, da waren Jeff Beck und Rod Stewart, dann eben die Stones, der musikalische Rest ist bekannte Geschichte. Jetzt hält Wood Rückschau und huldigt denen, die sein Gitarrenspiel nachhaltig inspiriert haben. „Mad Lad“ ist die erste von drei geplanten Albumproduktionen mit Woods Band Wild Five, und zunächst arbeitet sich der Brite an keinem Geringeren als Chuck Berry ab.

„Mad Lad“

Mit Mr. Duckwalk aus St. Louis hat Wood immer mal wieder auf der Bühne die Klingen gekreuzt, er hat sich dessen Licks und Doublestops abgekupfert und sie gewinnbringend in den Gesamtsound der Rolling Stones eingebracht. Mitten in Minster, in Wimborne, nicht weit von ebenso unprätentiösen Käffern wie Furzehill und Hillbutts, hat Wood das Material für „Mad Lad“ aufgenommen – im Tivoli, das von außen wie ein abgewracktes Pornokino aussehen mag, jedoch ein magischer Ort für große Musik zu sein scheint. Viel von der nach Kippen- und Biergestank schmeckenden Jukejoint-Atmosphäre dieses Clubs ist auf dem Album zu hören, das gleichermaßen Woods Wurzeln erklärt – und beim nächsten Hören eines Jagger/Richards-Songs die Frage aufwirft, wie viel Chuck Berry in den Stones steckt.

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