MUSIK

„Emotional Eternal“ von Melody’s Echo Chamber: Einfach mal genießen!

Portraitfoto im Kornfeld Melody Prochet alias Melody’s Echo Chamber
Foto: Diane Sagnier

„Ich wollte wirklich aufhören und keine Platte mehr veröffentlichen“, sagt Melody Prochet. Verdenken kann man ihr das nicht, denn mit der Musikindustrie hat sie nicht gerade die besten Erfahrungen gemacht: Als die französische Künstlerin vor zehn Jahren ihr herausragendes Debüt als Melody’s Echo Chamber veröffentlicht, wird vor allem über Tame Impala gesprochen – ihr damaliger Freund Kevin Parker hat die Platte produziert. Dann wird kaum drei Jahre später endlich die Veröffentlichung eines Nachfolgers angekündigt, als sie einen Unfall hat, nach dem bei ihr ein Aneurysma und eine Wirbelsäulenverletzung diagnostiziert wurden. Und als „Bon Voyage“ schließlich mit einem Jahr Verspätung erscheint, geben ihr Musikjournalisten den Rest, die sie über den Unfall ausfragen wollen.

Prochet ist Mutter geworden, sie ist von Paris in die Französischen Alpen gezogen, wo sie umgeben von Lavendelfeldern in einem umgebauten Schafstall lebt, und sie hat eine Ausbildung als Musiktherapeutin begonnen. Doch an einem freien Abend allein ist dann plötzlich der Song „Alma“ da, und es ist die Ermunterung ihres Labelchefs Laurence Bell von Domino, der den Rest ins Rollen bringt: Genieße es diesmal einfach. „So banal dieser Ratschlag klingt, hat er doch meine Herangehensweise verändert und eine neue Perspektive eröffnet“, lacht sie.

Noch immer steckt ihr Psychedelic Pop voller Wendungen und Überraschungen. Doch anders als bei den beiden Vorgängern hat sie auf „Emotional Eternal“ ganz bewusst fokussierter gearbeitet, um die Zugänglichkeit zu erhöhen. „Ich habe mir mit dieser Platte eine Welt erschaffen, in die ich mich flüchten kann. Natürlich sind die Texte persönlich, doch lassen sie mehr Raum und betrachten alles aus einer gewissen Distanz, damit sich diese Welt auch für andere öffnet“, sagt sie – und ist dennoch etwas zögerlich, in „Emotional Eternal“ ein Tor zu Trost und optimistischerem Denken zu sehen. „Es geht um ein Gleichgewicht, denn ich höre natürlich auch die dunklen Untertöne, und überhaupt würde ich ausschließlich positiver Musik schon mal gar nicht trauen.“ Stimmt natürlich auch wieder.

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