MUSIK

„Rom“: Odeville veröffentlichen neues Album trotz Burnout

Tim, Hauke, bei all der stetigen Weiterentwicklung in Richtung Pop – welche Veränderung hat am meisten Mut gekostet?

Tim Sinclair: Jedes Mal, wenn wir uns für ein Album privat verschulden müssen. Seit „Phoenix“ sind Bankberater und Anwälte unsere besten Freunde. Ist aber am Ende auch egal, weil wir lieben, was wir tun. Andere kaufen sich eine fette Karre, und wir bringen halt alle zwei Jahre ein Album raus.

Hauke Horeis: Da ist es wieder, das DIY-Problem. Haste keine Knete, lässt dich der Produzent nicht ins Studio.

Mit „Rom“ sind Odeville wieder zurück zur DIY-Arbeitsweise. Ist die Musikindustrie nach wie vor so übergriffig und gefährlich?

Horeis: Für mich ist die Musikindustrie ein trübes Haifischbecken, in dem man leicht die Orientierung verlieren kann, wenn man sich ihr offen hingibt. Man sollte als junger Künstler nicht blauäugig Verträge unterschreiben, nur weil ein namhaftes Label dahintersteht. Wenn’s läuft, kommen halt wahnsinnig viele neue Freunde, die einem das Gefühl vermitteln, dass das immer so weiterlaufen wird mit dem Fame.

Sinclair: Wir haben für uns einfach die Erfahrung gemacht, dass es besser funktioniert, sich langfristig Menschen zu suchen, mit denen nicht nur die Zusammenarbeit gut läuft. Die meisten sind auch unsere persönlichen Buddies geworden.

Während der Aufnahmen von „Rom“ hatten vier von fünf Bandmitgliedern Burnout. Befeuert ihr das Klischee, dass Leid eine nicht unwesentliche Voraussetzung für große Kunst ist?

Sinclair: Natürlich verarbeiten wir als Musiker die Dinge, die wir sehen und erleben. „Rom“ war kein Konzeptalbum, bei dem die Themen vorher schon feststanden. Es ist, wie das Songschreiben vorher und nachher auch, im Prozess passiert.

Horeis: Aber ja, wir waren alle ganz schön im Arsch.

Sinclair: Wir haben jetzt ein besseres Bewusstsein für unsere Leistungsfähigkeit entwickelt. Solange wir unsere Jobs und die Aufgaben und Anforderungen einer Band unter einen Hut bringen müssen, wird es wohl immer wieder Zeiten geben, in denen wir die ein- oder andere Grenze erst bemerken, wenn wir sie hinter uns haben.

Horeis: Selbstzerstörung liegt uns einfach im Blut, Baby!

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