Qobuz-Tipp der Woche: „Visitor“ von Sienna Spiro
Bereits vor dem Release ihres Debütalbums war Sienna Spiro ein Popstar. Mit „Visitor“ beweist die Britin nun, dass sie mehr als ein Internethype ist.
Sienna Spiro gehört zur absoluten New School der Popstars, die es so ohne Social Media wohl nicht geben würde. Bereits vor ihrem Deütalbum „Visitor“, das am 3. Juli erscheint, zählen ihre Songs neunstellige Klickzahlen – TikTok und Instagram machen’s möglich. Begann die Britin ihre Karriere doch auf genau jenen Plattformen. Dort verbreiteten sich ihre Coversongs und eigenen Interpretationen rasanter als jede Pandemie, und schnell standen die ganz großen Player vor der Tür.
„Visitor“ von Sienna Spiro: Out Now!
Spiros erste Single, die Pianoballade „Need me“, wird 2024 über ein Universal-Ableger veröffentlicht, und das darauffolgende „MAYBE.“ platzt dann auch noch in die Charts, was der jungen Britin einen Platz auf der Liste der „10 Musicians to Watch in 2025“ des Dazed-Magazins sichert. Soweit der Bilderbuchaufstieg.
Nun steht also Spiros Debütalbum bereit, um ihren Platz an der Popspitze endgültig zu manifestieren. Aufgenommen in den Electric Lady Studios sowie den Abbey Road Studios, gönnt sich Spiro mit „Visitor“ Theatralik und große Gesten, ganz egal, ob vom Orchester oder bloß von einem Piano begleitet. Beeinflusst von so großen Namen wie etwa Etta James, Frank Sinatra oder RAYE, vereint Spiro wie schon bei ihren ersten Singles weiterhin hymnischen Pop mit Jazz-Spielereien und orchestralem Soul. Der smoothe Kopfnicker „Material Lover“, dessen soulige Coolnes offenkundig von Spiros Liebe zu Amy Winehouse zeugt, hat es zudem bereits vor Album-Veröffentlichung zu großer Popularität gebracht, war er doch Teil des Soundtracks von David Frankels „Der Teufel trägt Prada 2“. So selbstbewusst, wie Spiro in diesem Song daherkommt, geht es aber nicht immer zu.
„Ich hatte schon immer große Angst davor, dass Dinge enden oder Menschen gehen. Dieses Album hat mir geholfen, mehr im Moment zu leben, anstatt ständig Angst vor der Zukunft zu haben“, fasst die Britin das vorherrschende Gefühl zusammen, das „Visitor“ vorausging. Und so handelt dieses Album eben auch von einer jungen Frau, die sich mitunter als Besucherin ihres eigenen Lebens versteht. „I‘ll always be a visitor in your arms“, singt sie etwa im Titelsong, einer traurig dahinschmelzenden Pianoballade. Vergänglichkeit, unmögliche Beziehungen und die Suche nach Zugehörigkeit prägen diese Platte genauso wie Spiros herausragender Gesang. Da will noch einmal jemand sagen, die neuen Popstars hätten es leicht …