MUSIK

Sparks – Aneignung zum Erfolg

Die Art-Pop-Schlauberger Sparks wissen genau, was ein Best-of-Album bedeutet, und das nicht nur, weil „Past Tense“ nicht ihr erstes ist. Schon 1994 untersuchten sie mit „When do I get to sing ‚My Way’“ die prekäre Selbstdarstellung einer Karriere-Subsumierung, die meistens doch viel zu spät kommt: „It’s hard to be vain / when no Person looks at you“. Nicht zuletzt diese Doppelbödigkeit ist es, mit der es Sparks bis zum wiederholten Best-of geschafft haben.  Dabei ist es kein Zufall, dass diese Skepsis auf „Gratuitous Sax & senseless Violins“ nach einer sechsjährigen Pause und dem zwanzigjährigen Jubiläum angesprochen wurde.

Modern „Past Tense“

Sparks haben Pop schon längst durchschaut und wissen daher genau, was es braucht, um relevant zu bleiben: Wandelbarkeit und eine Skepsis gegenüber dem eigenen Ruf. Paradoxerweise hat ihnen diese distanzierte, mitunter spöttische Haltung zu einer Karriere verholfen, die vier Dekaden spannt. Auf sie könnten Sparks heute tatsächlich wohlwollend zurückblicken – wenn sie denn daran interessiert wären, die Vergangenheit wiederaufleben zu lassen. Denn Sparks sind stets stilbewusst und schlau genug gewesen, um zeitgemäß zu klingen: vom frühen Glampop der „Kimono my House“-Ära über den technoiden Synthpop ihres Comeback-Triumphs „Gratuitous Sax & senseless Violins“, der zeitgleich mit „Past Tense“ einen Rerelease erhält. Jede tendenziell schwierige Karriereentscheidung, wie etwa die Kollaboration mit Franz Ferdinand als FFS begleitet ein ebenso selbstironisches wie vorwegnehmend versöhnendes Zwinkern: „Collaborations don’t work“.

Best-of-Album verspricht Sparks-Comeback

Und so wissen sie als weise Pop-Veteranen neben der potenziell peinlichen Selbstbeweihräucherung auch um die große dramaturgische Wirkung des Best-of-Albums – sofern sie denn ausgeschöpft wird. Sie unterfüttern die Retrospektive mit Unveröffentlichtem, Demos und Raritäten und legen ihr erstes Comeback-Album neu auf. Der Unterton ist klar: Wir haben das schon einmal geschafft. Sie stellen alle Weichen für den eigentlichen Anlass für das Best-of, der erst 2020 kommt: das nächste Sparks-Album.

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