Spaziergang nach Syrakus: Gemütliche Flucht
Charly Hübner spielt einen Mann, der sich gegen die Reisebeschränkungen der DDR auflehnt – leider gerät das viel zu bummelig.

„Das Begräbnis“, „Das Fest der Liebe“, „Für immer Sommer 90“, „Micha denkt groß“, „Die stillen Trabanten“, „Polizeiruf 110“ oder „Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße“: In zahlreichen Serien und Filmen verkörpert der Mecklenburger Charly Hübner ostdeutsche Figuren und ihren Weg in der (wiedervereinten) Welt – er ist auf diese Weise durchaus ein Chronist ostdeutscher Befindlichkeit. Und die Befindlichkeit von Paul Gompitz (Hübner) ist nicht gut. Der Rostocker weigert sich 1982, zu akzeptieren, dass er nicht in sein Sehnsuchtsland Italien reisen darf, nach Syrakus auf Sizilien, ans südlichste Ende Italiens, dorthin, wo Europa endet und wohin auch 1801 der Schriftsteller Johann Gottfried Seume wanderte. Gompitz möchte sich seinen Traum erfüllen und dann zurück in die DDR. Abgelehnt. Also überlegt sich der Kellner, der nie studieren durfte, Alternativwege, bis hin zur Flucht über die Ostsee. Seiner Frau Anne (Hübners echte Frau Lina Beckmann) verheimlicht er seine Aktivitäten über Jahre hinweg …
Basierend auf F. C. Delius’ gleichnamiger Erzählung, die wiederum inspiriert ist von der Flucht des DDR-Bürgers Klaus Müller 1988, erzählt Hübners Regiefreund Lars Jessen eine bummelige, gemütliche Geschichte ohne jede Dramatik, mit einigen Logiklöchern in der Handlung und einem unnötig geänderten Schluss gegenüber der Vorlage. Die Hinzuerfindung der Figur von Anne bei gleichzeitiger Beibehaltung der Heimlichtuererei von Paul macht den überzeugten Reisesüchtigen zu einem krassen Egoisten, der seine Frau jahrelang anlügt, sie zurücklässt und damit den Repressalien des DDR-Regimes ausliefert. Die Moral von der Geschicht: Wer mit allen Mitteln in die Ferne schweift, findet dort vielleicht die Freiheit, er verliert auch die Liebe und die Heimat. Aber selbst das ist in diesem bummeligen Film von keiner nennenswerten Dramatik.
Film

Sehenswert
![Still_[AUSTRALIAN_RESEARCH_STATION]_(c) ThurnFilm GmbH_Fotografin Ines Reinisch](https://kulturnews.de/wp-content/uploads/2026/08/still-australian-research-station-c-thurnfilm-gmbh-fotografin-ines-reinisch-700x394.jpg)
Salz und Wasser: Fahrt durch die Antarktis

„Ewige Jugend“ auch für alte, weiße Männer?
- Bestenliste Film

Sieben unverzichtbare Filme mit weiblicher Regie

