Zum Inhalt springen

„Sternstunde der Mörder“: Serienmörder im Machtvakuum

„Sternstunde der Mörder“ ist ein Krimi und Historiendrama nach einem Rmoan von Pavel Kohout. Der Vierteiler mit Jonas Nay in einer der Hauptrollen läuft im Ersten und in der ARD-Mediathek.
„Sternstunde der Mörder“ ist ein Krimi und Historiendrama nach einem Rmoan von Pavel Kohout. Der Vierteiler mit Jonas Nay in einer der Hauptrollen läuft im Ersten und in der ARD-Mediathek. (Foto: ARD Degeto Film/NDR/Servus TV/Canal+Austria/HR/Zeitgeist Filmproduktion/EPO-Film/Petro Domenigg)

Es ist Pavel Kohouts einziger Krimi: Christopher Schier bringt den Vierteiler „Sternstunde der Mörder“ über die letzten Wochen der Nazi-Diktatur in Prag mit Starbesetzung in die ARD und in die Mediathek.

März 1945: Während eines Bombenangriffs der Alliierten Streitkräfte auf Prag bringt ein Serienmörder eine deutsche Offizierswitwe in ihrer Wohnung um. Hauptkommissar Beran (Karel Dobrý, „Carnival Row“) beauftragt seinen Assistenten Jan Morava mit dem Fall, doch der darf schon bald nicht mehr alleine ermitteln: Weil als Täter ein Tscheche vermutet wird und das Opfer eine Deutsche ist, stellt man ihm den Gestapomann Erwin Buback zur Seite. Welchen Hintergedanken die deutschen Besatzer damit verbinden, erfährt Morava erst viel später. Der Krimivierteiler „Sternstunde der Mörder“ nach dem gleichnamigen Roman von Pavel Kohout läuft im Ersten und kann in der ARD-Mediathek gestreamt werden.

„Sternstrunde der Mörder“ ist der einzige wirkliche Krimi des Schriftstellers, Theaterregisseurs, Bürgerrechtsaktivisten und Politikers Pavel Kohout („Aus dem Tagebuch eines Konterrevolutionärs“). Es ist aber ein Krimi, der gleicheitig auch ein Auge für die Dimension des Zusammenbruchs der Nazi-Herrschaft hat und für das Vakuum, das rund um den Zusammenbruch entstand. Drehbuchautor der vierteiligen Verfilmung ist Klaus Burck, ein Pseudonym von Holger Karsten Schmidt, der schon so hervorragende Romane und Drehbücher wie „Die Toten.von Marnow“ und „Finsteres Herz“ geschrieben hat. Regie führte Christopher Schier („Drunter und drüber“, „Der Pass 3“). Schmidt und Schier erzählen eine düstere Geschichte auf mehreren Ebenen. Während der Serienmörder Antonin Rypl (Gerhard Liebmann, „Totenfrau“, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“) auf den Friedhöfen trauernden Witwen auflauert, sie verfolgt und in ihren Wohnungen nach einem bösen Ritual ermordet – er entfernt ihnen uner anderem die Herzen –, rückt die Rote Armee von Osten immer näher an Prag heran. NS-Befehlshaber Meckerle – Devid Striesow („Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke!“, „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“) spielt ihn ekelhaft gut – vermutet, dass der Täter ein Tscheche ist, hat aber Hintergedanken: Er will wissen, ob die tschechische Polizei den Widerstand gegen die Besatzer organisiert, und stellt dafür Erwin Buback (Nicholas Ofczarek, „Kafka“, „Die Ibiza-Affäre“) ab. Offziell soll der Gestapomann Jan Morava (Jonas Nay, „The Tattooist of Auschwitz“, „Concordia – Tödliche Utopie“) bei den Ermittlungen nach dem Serienmörder unterstützen, inoffizell in Sachen Widerstand ermitteln. Als die Zustände in Prag zunehmend unhaltbar werden und der Rundfunk den Tod Adolf Hitlers bekanntgibt, eskaliert die Situation: Der Widerstand flutet Prag, Straßenkämpfe entbrennen, der Kampf ums Rundfunkgebäude wird zu einem Psychokrieg.

„Sternstunde der Mörder“: Düster bis zum Ende

Erwin Buback von der Gestapo zeigt ein ganz neues Gesicht, was auch mit der Schauspielerin und Meckerles Geliebter Marleen Baumann (Jeanette Hain („Herzogpark“, „Der Palast“) zu tun hat. „Sternstrunde der Mörder“ ist in weiten Teilen eine sehr gut inszenierte Geschichte des Untergangs, weniger eine des hoffnungsvollen Widerstands, was auch am Blick auf die deutsche Seite liegt. Das mag aber auch an Pavel Kohouts Roman und an der Desillusion  des Schriftstellers liegen, der selber als hoffnungsvoller Kommunist in der Nachkriegs-Tschechoslowakei politisch aktiv war und nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1969 aus dem Land geworfen wurde. Die Folge: Diese Geschichte erzählt trotz des Sieges über die deutsche Besatzungsmacht eine rein düstere Geschichte, auf deren Details hier nicht – Spoileralert! – erwähnt werden sollen, die man aber durchaus politisch lesen kann. Gelegentlich neigt „Sternstunde der Mörder“ zu massiven dramaturgischen Übertreibungen im Krimi-Part, was durch den häufigen Polotwechsel – Serienörder hier, Bomben auf Prag und tschechischer Widerstand da – zum Glück aufgefangen wird. Woher das meiste Geld bei dieser Produktion kommt, merkt man auch an der Besetzung: Mit Jonas Nay als Ermittler und Gerhard Liebmann als Mörder hat man gleich zwei wichtige tschechischer Figuren mit deutschen beziehungsweise österreichischen Schauspielern besetzt.

Beitrag teilen:
kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.