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„The End of Oak Street“: Plötzlich prähistorisch

the end of oak street
(Foto: Warner Bros. Pictures)

Der nächste große Sommerblockbuster stammt ausgerechnet von David Robert Mitchell. Aber so unerwartet ist das gar nicht.

Filme über Dinosaurier sind ein bisschen wie Filme über Motorradfahrer namens Werner Wernersen: Es gibt genau ein Franchise, das das Genre dominiert, und bis heute hat niemand das Original aus den 90ern toppen können. Im Falle der Dinos geht es natürlich um „Jurassic Park“ – einen Blockbuster mit so viel Strahlkraft, dass jeder Film, der die urzeitlichen Kreaturen auf die Leinwand holt, sich bis heute damit vergleichen lassen muss. Natürlich laufen noch immer Fortsetzungen im Kino, zuletzt „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ von 2025. Aus beiden Gründen ist ein Film, der völlig unabhängig davon eine eigene Dino-Geschichte erzählen will, ein Wagnis. Aber wenn wir eines über David Robert Mitchell wissen, dann dies: Wagnisse sind genau sein Ding. Man könnte auch sagen: Das muss kesseln!

Mit seinem neuen Film „The End of Oak Street“, bei dem Mitchell das Drehbuch geschrieben, Regie geführt und koproduziert hat, wagt er sich in ganz neue Gefilde vor – was wiederum zu erwarten war. Denn noch war jedes Projekt des US-Amerikaners so ganz anders als die Vorgänger. Sein erster Spielfilm „The Myth of the American Teenager“ war eine Coming-of-Age-Komödie, sein zweiter war der Überraschungshit „It follows“ – einer der Filme, der 2014 die bis heute andauernde Welle des sogenannten „Elevated Horror“ mitbegründet hat. Andere Filmemacher hätten das dadurch verdiente Geld und Vertrauen zu halten versucht, indem sie weiter auf Horror setzen – Mitchell hat stattdessen „Under the Silver Lake“ (2018) gedreht, eine surreale, versponnene Neo-Noir-Satire über Verschwörungen in Hollywood, die gerade mal ein Viertel ihres Budgets einspielte.

Dinos ohne Park

Vielleicht hat es deshalb acht Jahre gedauert, bis Mitchells nächster Film in die Kinos kommt. Und vielleicht arbeitet er deshalb an einer „It follows“-Fortsetzung mit dem naheliegenden Titel „They follow“. Doch davor gibt es eben „The End of Oak Street“. Und die Geschichte könnte durchaus einem Blockbuster der 80er entspringen – oder einer Episode der „Twilight Zone“. Eigentlich führen Denise Platt (Anne Hathaway), ihr Mann Greg (Ewan McGregor) und die Kinder Audrey (Maisy Stella) und Brian (Christian Convery) das perfekte US-Vorstadtleben. Doch nach einem mysteriösen Ereignis stellen sie fest, dass die gesamte Nachbarschaft in eine prähistorische Wildnis transportiert wurde – hungrige Dinosaurier inklusive. Die Familie stellt sich den Monstern entgegen, mit wenig mehr als einer Schrotflinte. Das verlangt zugleich, dass lang gehegte Familienkonflikte endlich beigelegt werden.

Nicht nur die Dinosaurier erinnern dabei an Steven Spielberg: Auch die Mischung aus effektintensiver Action mit einer emotionalen Familiengeschichte hat der König der Blockbuster perfektioniert. Mit seiner 80er-Nostalgie passt „The End of Oak Street“ zudem perfekt in eine Gegenwart, die von Remakes, Sequels und „Stranger Things“ geprägt ist. Doch Mitchells Film ist ein eigenständiges Werk – und allein deshalb begrüßenswert. Dass sich Mitchell mit „The End of Oak Street“ dennoch mehr denn je dem Mainstream zuwendet, zeigt auch J. J. Abrams’ Beteiligung als Produzent: Abrams hat sich zunächst mit kreativen Fernsehideen wie „Lost“ einen Namen gemacht, ehe er Franchises wie „Star Trek“ oder „Star Wars“ wiederbelebt hat.

Ist „The End of Oak Street“ ein „Cloverfield“-Film?

Im besten Fall kommen dabei moderne Genreklassiker wie „Cloverfield“ heraus – einen weiteren Film über riesige Monster. Dass Abrams bei „Oak Street“ dabei ist, hat im Internet für die fixe Idee gesorgt, auch der neue Film könnte mit dem „Cloverfield“-Universum verknüpft sein. Diese Art von Verschwörungstheorie wiederum würde Sam gefallen, dem von Andrew Garfield gespielten paranoiden Protagonisten von „Under the Silver Lake“.

Und was wäre ein Blockbuster ohne Hollywood-Stars? Mit Anne Hathaway und Ewan McGregor hat Mitchell zwei davon an Bord, die beides können: große Popcorngesten und intime, auch mal unerwartete Momente. Insbesondere Hathaway hat das allein in diesem Jahr schon mehrfach unter Beweis gestellt, mit Performances in so unterschiedlichen Filmen wie der Comedy-Fortsetzung „Der Teufel trägt Prada 2“, dem Fantasy-Epos „Die Odyssee“ und – da ist er wieder, der Arthouse-Horror – „Mother Mary“. Diese Vielseitigkeit macht sie zur perfekten Muse für einen Regisseur, der mit jedem Projekt etwas Neues probiert. Und wenn „The End of Oak Street“ tatsächlich zu einem zweiten Dino-Franchise werden sollte, wäre das schon aus Wettbewerbsgründen eine gute Nachricht.

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