MUSIK

The Streets: None of us are getting out of this alive

The Streets None of us are getting out of this Life alive

Dass Mike Skinner noch immer eine der wichtigsten Stimmen in der britischen Rapszene ist, war schon 2017 klar. Da kündigte er nämlich die Rückkehr der Streets an – nach mehreren Jahren Pause. Eine Handvoll Singles und ausverkaufte Hallen bei der Rückkehr-Tournee machten deutlich: Die Leute wollen noch immer hören, was Skinner zu sagen hat. Doch ein längeres Projekt blieb erst einmal aus. Mit dem neuen Mixtape „None of us are getting out of this alive“ ist es nun offiziell: The Streets sind wieder da.

Klar ist auch, dass Skinner nicht mehr so klingt wie zu Zeiten des Debüts „Original Pirate Material“ von 2002. Die Welt ist eine andere, der Künstler älter geworden. Feiern gehen, bis zum Morgen in einer Fastfood-Bude rumhängen, high auf dem Sofa sitzen und Pizza bestellen – die Zeiten sind vorbei. Deshalb war es so erleichternd, als schon die Vorabsingle „Call my Phone thinking I’m doing nothing better“ zeigte: The Streets können noch immer ein Lebensgefühl einfangen. Dafür holt sich Mike Skinner aber immerhin Hilfe von jüngeren Künstler*innen.

The Streets sind abwechslungsreich wie nie

Die Kollaboration ist dann auch das zentrale Element von „None of us are getting out of this alive“. Auf allen zwölf Tracks erhält Skinner Unterstützung, und die Bandbreite ist wirklich erstaunlich. Natürlich bekommen junge Rapper*innen aus dem UK eine Chance zu glänzen, einige von ihnen sind schon mit den Streets aufgewachsen: Oscar #Worldpeace oder Jesse James Solomon zum Beispiel. Aber auch Tame Impala, Idles und Ms Banks treten in Erscheinung.

Das Resultat ist eine denkbar abwechslungsreiche Sammlung an Songs, deren roter Faden eher in der Thematik besteht. Denn wie immer bei The Streets geht es vor allem darum, Alltagserfahrungen, die sonst leicht übersehen werden, in ein neues Licht zu rücken. Konkret besprochen werden vor allem Beziehungsprobleme: Eifersucht, abkühlende Liebe und die Unfähigkeit zu Kommunizieren. So rufen The Streets auf „I wish you loved you as much as you loved him“ eine Person dazu auf, sich von einem toxischen Partner zu trennen.

Mike Skinner hinterfragt das Smartphone

Immer wieder stellt Skinner das Smartphone ins Zentrum: Nicht nur auf der Single mit Tame Impala, sondern etwa auch auf dem bitteren „Phone is always in my Hand“: „My Phone is always in my Hand/If you think I’m ignoring you, I am“. Der Stil, mit dem er seine Nachrichten rüberbringt, ist dabei noch immer derselbe: Flow oder Punchlines im engeren Sinne sucht man vergeblich. Stattdessen hat man wie immer das angenehme Gefühl, sich mit einem guten Freund zu unterhalten – aber einem sehr klugen, sehr witzigen und sehr sarkastischen Freund. „She talks about her ex so much/even I miss him“, heißt es etwa auf „Can’t afford me“. Und: „I know you’re so broke/You’re having sleep for dinner.“

Während Alltag und Humor dominieren, ist auch Platz für ernstere, bewegende Momente. Das sorgenvolle „Conspiracy Theory Freestyle“ hinterfragt Wissen und politische Meinungsmache in Zeiten digitaler Medien: „You know the truth like your phone knows the time“, rappt Mike Skinner. „You set it and forget/But you forget to know why.“

Es ist eine komplizierte Welt, in der wir leben – und The Streets sind auch nach fast zwanzig Jahren noch ungeschlagen darin, sie in fassbare Bilder zu packen.

None of us are getting out of this alive erscheint am 10. Juli.