Tkay Maidza: Last Year was weird, Vol. 2
Zwischen Azealia Banks, Charli XCX und Lauryn Hill: Die australische Künstlerin Tkay Maidza erweist sich mit ihrem neuen Mixtape als wahres Multitalent.

Trotz Größen wie Sampa The Great hinkt Australien im internationalen Vergleich immer ein wenig hinterher, wenn es um HipHop geht. Vielleicht ist es kosmische Kompensation, dass das Land down under mit Tkay Maidza eine Künstlerin hervorgebracht hat, die das im Alleingang ändern könnte. Ihre Glaubwürdigkeit als Rapperin steht spätestens seit dem Debütalbum „Tkay“ von 2016 fest, auf dem Run The Jewels-Hälfte Killer Mike eine Gaststrophe hatte.
Aber schon damals war es vor allem Tkay Maidzas Vielseitigkeit, die ins Ohr gestochen hat, denn ein Großteil der Platte war nicht von Rap, sondern modernem Elektropop geprägt – der in der Masse dann doch etwas eintönig wurde. Ganz anders 2018 das Mixtape „Last Year was weird, Vol. 1“: Vielleicht lag es daran, dass Tkay sich darauf vom Zwang befreit gefühlt hat, alles konzeptuell zu verbinden. Die Songs, die Trap, Pop, Dub und mehr vereinen, sind so abwechslungsreich wie fesselnd.
Der zweite Teil der angekündigten Mixtape-Trilogie kommt nun mit einer Bandbreite daher, die zwar jedes Konzept unmöglich macht, dafür aber genug Kreativität für mehrere Alben enthält. „Awake“ ist ein greller Trap-Albtraum, in dem Tkay und Gast JPEGMAFIA über Schlaflosigkeit und ADHS rappen. In „Grasshopper“, das sich um ein schmerzhaft verzerrtes Riff rankt, glänzt die Künstlerin mit erbarmungslosem Flow. Direkt danach wäre „So sad“ ein heißer Kandidat für den Sommerhit 2020 – wenn der Text nicht wäre.
Vor fröhlichem Gepfeife und karibischer Gitarre singt Tkay Maidza über einen unglücklichen Ex, den sie vor lauter guter Laune einfach ignoriert. Gegen Herzschmerz ist sie selbst allerdings auch nicht immun, wie der melancholisch-funkige Closer „Don’t call again“ demonstriert. Am Ende von „Last Year was weird, Vol. 2“ angekommen, weiß man gar nicht, wie einem geschehen ist. Aber eines weiß man: Man will direkt wieder von vorn anfangen.
Musik


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