„Truly naked“: Tennie-Typ in der Sexindustrie
Der Schüler Alec dreht nachmittags Pornos und lernt dann echte Liebe kennen. Das Coming-of-Age-Drama „Truly naked“ kommt jetzt in die Kinos.
In der Schule ist der halbwüchsige Alec (Caolán O’Gorman) ein eher introvertierter und liebenswerter Typ, doch danach kümmert er sich als Kameramann, Videoproduzent, Setfotograf und Webmaster in Personalunion um die Home-made-Pornoproduktion seines Vaters. Porno ist für Alec, der selbst noch keine eigenen sexuellen Erfahrungen gemacht hat, das Selbstverständlichste der Welt, auch die verstorbene Mutter hat in dem Business gearbeitet. Doch nun hat er sich in eine Mitschülerin, die selbstbewusste feministisch engagierte Nina (Safiya Benaddi), verliebt. Durch sie erfährt er, wie Zärtlichkeit und körperliche Nähe sich anfühlen können. Zudem muss er erkennen, wie sein Blick auf Sexualität und Frauen durch die klischeehaften, immer wieder reproduzierten Bilder der Sexindustrie geprägt ist.
Es ist ein ungewöhnliches, durchaus auch etwas konstruiertes Szenario, das Regisseurin und Drehbuchautorin Muriel d’Ansembourg ihrem Coming-of-Age-Drama zugrunde legt. Leider werden viele der komplexen Fragen – etwa, ob es „frauenfreundliche Pornografie“ eigentlich geben kann – lediglich angerissen, aber nicht wirklich vertieft. Diese überraschende Prämisse wie auch das zunächst verstörende, dann zunehmend belastete Vater-Sohn-Verhältnis hätten weiteres Potenzial. Mit Caolán O’Gormans zurückhaltendem, aber intensivem Spiel als Alec ist d’Ansembourg jedoch ein Besetzungscoup gelungen.