MUSIK

„Lifesparks“ von Tuomas A. Turunen: Harmonie und Handkantenschläge

Tuomas A. Turunen am Klavier sitzend
Foto: Sylvain Thiollier

Tuomas A. Turunen, die ersten Takte auf deinem Album klingen schon ziemlich nach Ludovico Einaudi. Wie nah traust du dich an den Abgrund der Trivialität heran?

Tuomas A. Turunen: Na ja, der erste Track ist wirklich sehr melodisch aufgebaut. Aber immerhin ist es ein 5/4tel-Takt – also gar nicht mal so unkompliziert. Und danach folgt ein 9/23tel-Takt. Ich versuche, gleichzeitig komplex und einfach unterwegs zu sein.

5/4, 9/23 – an dir ist ein Mathematik-Genie verlorengegangen …

Tuomas A. Turunen: Ich habe tatsächlich zuerst Mathematik studiert, konnte mich dann aber der Kraft der Musik nicht entziehen. In Göteborg beim Musikstudium habe ich dann Emil Brandqvist kennengelernt, der mit „Alone again“ übrigens auch ein Stück auf dem Album geschrieben hat.

Die Musik auf „Lifesparks“ zeichnet das Bild von einem Mann, der keiner Fliege etwas zuleide tun könnte und total geerdet ist. Beschreibt dich das gut, oder gehst du auch ab und zu mal durch die Decke?

Turunen: Ich versuche schon, möglichst nett und gut drauf zu sein – meistens gelingt mir das auch. Alle Titel auf „Lifesparks“ sind von Situationen mit der Familie oder Freunden inspiriert. Ich bin wohl schon so der friedliche Familientyp, der gern lacht und Harmonie sucht.

Aber wenn mal gar nichts mehr hilft, haust du kräftig zu? Da war doch mal was mit Martial Arts, oder?

Turunen: Als 17-Jähriger habe ich mit Karate und dem ganzen Kram angefangen. Seit ich vor ein paar Jahren nach Frankreich gezogen bin, habe ich nicht mehr trainiert.

Hast du nie Angst gehabt, dass du damit deine Pianistenhände ruinierst?

Turunen: Am Anfang ist es in der Tat nicht ganz ungefährlich, weil dir die Erfahrung fehlt. Da kann schon mal ein Knochen brechen. Aber dann, wenn du mit den richtigen Leuten trainiert hast, kannst du irgendwann ohne Probleme Backsteine durchhauen, ohne dich zu verletzen. Du musst nur total fokussiert sein und darfst nicht zögern. Diese Erkenntnis hilft mir übrigens auch bei der Musik.

Aber einen Flügel würdest du nie zertrümmern?

Turunen: Nein, ich habe viel zu viel Respekt vor diesen wunderbaren Dingern. Ich bin kein Jimi Hendrix der Pianowelt.

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