„Was ich dir erzählen möchte oder Lebensweisheiten für ein kleines Alien“ von Alice Franklin
Alice Franklin installiert in „Was ich dir erzählen möchte oder Lebensweisheiten für ein kleines Alien“ eine neurodivergente Protagonistin, die in der zweiten Person erzählt.
Neurodivergenz inmitten der Gesellschaft
In der Schule will sie nicht so recht ankommen, sowohl Lehrkräfte als auch die anderen Kinder finden keinen wirklichen Zugang zu ihr. Immer wieder nimmt sie wahr, wie ihre Eltern daheim verzweifeln, denn auch sie sind überfordert, wenngleich auch zumindest um ihr Bestes bemüht. Doch trotz aller Herausforderungen, die mit einer nicht-diagnostizierten autistischen Veranlagung einhergehen, erlebt sie im Verlauf des Romans immer wieder Momente, in denen sie gesehen wird.
Stützen für ein kleines Alien
Da ist zum Beispiel der kleine Junge Bobby, der sie nimmt, wie sie ist, und ihr damit zur Stütze wird. Oder auch das sagenumwobene Voynich-Manuskript, das sie entdeckt und für sie sinnstiftend ist. Eine Fernsehsendung über ein kleines Alien gibt dem Mädchen nicht nur etwas zum Nachempfinden, sondern auch einen Namen, den sie sich wie einen kleinen Schutzmantel überwirft. Fortan identifiziert sie sich selbst als kleines Alien und spricht sich als Erzählerin auch so an, denn „Was ich dir erzählen möchte oder Lebensweisheiten für ein kleines Alien“ ist konsequent in der zweiten Person erzählt. Trotz dieser ungewöhnlichen Erzählweise ist da beim Lesen immer auch eine Distanz, ein Grundgefühl der Entfremdung. Zudem flicht Franklin Fußnoten und weiterführende Lektüre in die Seiten ein, sodass ihr berührend-komisches Debüt irgendwo zwischen Sachbuch und Roman changiert und Einblicke in eine Perspektive gibt, die viel zu selten thematisiert wird.