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Literatur

Zweifelssohn von Max Czollek

In seinem Debütroman Zweifelssohn schickz Max Czollek seinen Protagonisten durch Deutschland – auf den Spuren von Propheten wie Jeremia und Hunter S. Thompson.

Portraitfoto Max Czollek, der mit „Zwiefelssohn“ seinen Dedütroman vorlegt
(Foto: Maximilian Gödecke Photography)

„Zweifelssohn“ von Max Czollek ist unsere Buchempfehlung der Woche

Seit fast zwei Jahrzehnten ist Max Czollek schriftstellerisch aktiv, hat Artikel, Essays, Gedichte veröffentlicht. Und nun also seinen ersten Roman, doch ganz zeitgeistlich ist „Zweifelssohn“ – so zumindest der Verdacht beim Lesen – ziemlich autofiktional. Der Protagonist – „wie Mendelssohn, aber mit Zweifel“ – wohnt in Berlin, ist auf dieselbe Schule gegangen wie Czollek und verzweifelt über den Zustand der Welt und insbesondere Deutschlands. Dank einer mysteriösen Krankheit, die er Jeremiasyndrom getauft hat, sieht er allerorten die Risse in der Fassade, die Leichen und Trümmer, auf denen Deutschland gebaut ist. Um sich zu kurieren, tritt er eine Reise an, die in Wien beginnt und ihn kreuz und quer durch Deutschland führt.

Die Orte und Figuren, denen Zweifelssohn begegnet, sind dabei vor allem Sprungbretter für Czolleks Gegenwartsanalysen, die sich durchweg poetisch und pointiert lesen. „Zweifelssohn“ ist ein dichtes Buch mit hohem Über- und tiefem Unterbau: In den Kapitelüberschriften wird der Roman konsequent als „Das Buch Zweifelssohn“ bezeichnet, als Anspielung auf den Tanach, auch wenn die Hauptfigur sich dagegen wehrt, ein Prophet zu sein. Zugleich häufen sich in ihrer Odyssee Anleihen bei der Popkultur von „Faserland“ bis „Fear and Loathing in Las Vegas“, die Zweifelssohn selbst auffallen. Doch Czollek bleibt viel abstrakter, was dem Roman als Roman schadet, denn seine Weigerung, uns Details über die Figuren zu verraten – Was macht Zweifelssohn beruflich? Wie heißt er mit Vornamen? Wie seine Freundin, die nur als Be bezeichnet wird? – macht es schwer, sich für die Handlung zu interessieren. Fast fragt man sich, ob „Zweifelssohn“ nicht als Essaysammlung besser funktioniert hätte. Denn wann immer die Hauptfigur über die Weltlage sinniert, ob es um Entnazifizierung geht, um Israel, um die 68er-Bewegung oder die DDR, sind diese Gedanken so hellsichtig und emphatisch, wie man es gewohnt ist. Nur eben von Max Czollek, nicht von Zweifelssohn.

Hat es Max Czollek mit „Zweifelssohn“ auf unsere Liste der besten Bücher im September 2026 geschafft?

Buchcover „Zweifelssohn“ von Max Czollek

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