Das geträumte Abenteuer im Kino: Suspense in Zeitlupe
Zwischen Western, Arthouse und Gangsterfilm: Valeska Grisebach kriegt das hin – und zwar mit Laiendarsteller:innen.

Said (Syuleyman Alilov Letifov) fährt aus dem Rhodopen-Gebirge in den bulgarischen Teil Thrakiens, in die Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei, um hier mit einem lokalen Mafioso einen kleinen Deal mit Dieselkraftstoff zu machen. Dort trifft er durch Zufall seine alte Freundin, die Archäologin Veska (Yana Radewa), wieder – und verschwindet spurlos. Veska ist nun die Hauptfigur und sucht nach Said, genau wie sie auf ihrer Ausgrabungsstelle Schicht für Schicht die Vergangenheit der Region um den größten europäischen Grenzübergang bei der Kleinstadt Svilengrad freilegt – und damit auch ihre Vergangenheit, denn sie stammt von hier. Mit der Abgeklärtheit einer Frau, die die wilde Zeit des großen Umbruchs in den 90er-Jahren erlebt und und erlitten hat, wo machtvolle, brutale Männer sich nahmen, was sie wollten, forscht sie nach Saids Schicksal – dabei trifft sie auf auch Iliya (Stoycho Kostadinov) den größten Mafioso der Gegend, der Menschenschmuggel in die EU betreibt und mit dem sie etwas verbindet …
Valeska Grisebach schafft es weiteres Mal nach „Western“ (2017), mit Laienschauspieler:innen einen dichten, packend gespielten Film zu schaffen, in dem ohne Worte genauso viel gesagt wird wie mit, und wo sich Western und Gangsterfilm in Zeitlupe mit Arthouse mischen. Man muss für diesen Film viel Geduld aufbringen. Erzähl-Archäologin Griesebach trägt die Schichten der Vergangenheit und der Wahrheit über zahlreiche Dialogszenen und Tischgesellschaften ab, in denen viel erzählt wird. Oft sehen wir Veska einfach nur gehen und Auto fahren, und wenn jemand gesagt bekommt „Warte fünf Minuten“, dann wartet der auch volle fünf Minuten Filmzeit. Ein Solitär im deutschen Kino, der die Suspense des Nicht-Ereignisses meisterhaft beherrscht – und eine der subtilsten Liebesgeschichten überhaupt.
Film

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