„Das zweite Attentat“: Curveball und der Sniper

Im Ersten und in der ARD-Mediathek: Der hochbrisante Politthriller „Das zweite Attentat“ über die Gründe für den zweiten Irakkrieg der USA und die Manipulationen des deutschen BND.
Als die Mutter von Alex Jaromin in Athen stirbt, wo die beiden im Zeugenschutzprogramm leben, fliegt auf, dass Alex’ Leben auf von Lügen aufgebaut ist. Sobald der junge Fotograf aber der Wahrheit auf die Spur kommen will, bricht das gesamte Lügengerüst zusammen, und er muss um sein Leben kämpfen. Die Serie „Das zweite Attentat“ behandelt die realen und nicht fiktiven, absichtlichen Fehlinformation durch einen Informanten des BND, die Anfang der 2000er zum Krieg der USA gegen den Irak führten; die Serie reichert diese Wahrheit außerdem mit einer komplexen, fiktiven Thrillergeschichte an. „Das zweite Attentat“ kann in der ARD-Mediathek gestreamt werden und läuft linear im Ersten.
Alex (Noah Saavedra, „Freud“, „Bad Banks – Staffel 2“) lebt mit seiner Mutter in Athen und arbeitet als Fotoreporter für eine griechische Zeitung. Als die Mutter stirbt, findet er in ihrem Konvolut ein Video, das seine gesamte Existenz auf den Kopf stellt, und schon bald steht er im Fadenkreuz von Killern. Doch jetzt will es Alex genau wissen: Wer hat, als er noch ein Kind war, seinen Vater Frank (Daniel Lommatzsch, „Der Bader Meinhof Komplex“, „Das Geheimnis des Totenwaldes“) und seine Schwester ermordet, weswegen er seitdem unter seinem neuen Namen Alex im Zeugenschutzprogramm lebt? Je näher er der Wahrheit kommt, desto komplexer wird diese und desto unerbittlicher gehen Killer gegen ihn vor, allen voran Toni Baumann (Torben Liebrecht, „Gestern waren wir noch Kinder“).
Die Serie „Das zweite Attentat“ handelt von den politischen Verstrickungen des BND und der US-Dienste in die Vorbereitung des Irak-Kriegs 2003 durch den gezielten manipulativen Einsatz des fadenscheinigen irakischen Informanten Curveball. Tödliche Verwicklungen gibt es, weil die Dienste innherhalb Deutschlands gegeneinander arbeiten. Die irakische Informatin hatte im Jahr 2003 Beweise, dass im Irak zu diesem Zeitpunkt keine Massenvernichtsungswaffen existieren und auch keine hergestellt wurden. Ihre Ermordung machte nicht nur den Angriff der USA auf den Irak möglich, ihre Ermordung setzt auch alle weiteren Geschehnisse in Gang, die in der Gegenwart ihre Fortsetzung finden, als Alex mit der Recherche beginnt.

Im Grunde ist er dabei nicht allein, doch das weiß er nicht. Die BKA-Ermittlerin Hanne Lay (Désirée Nosbusch, „Turmschatten“, „Bad Banks“) will die Hintergründe für den tödlichen Zwischenfall im Irak schon 2003 aufdecken, bei dem eine irakische Informantin von einem deutschen BND-Scharfschützen erschossen wird. Doch dies kostet sie damals fast ihre Karriere. Als sie den Fall in der Jetztzeit von 2023 wieder aufgreift, bläst der Ermittlerin der gleiche Wind erneut ins Gesicht, doch diesal ist es ein Sturm …Headwriter der Serie ist Oliver Bottini, dessen Roman „Einmal noch sterben“ dieser Serie zugrunde liegt. Regie führte Barbara Eder, die immer häufiger für große Projekte der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender eingesetzt wird. Zuletzt drehte sie „Concordia – Tödliche Utopie“ und „Der Schwarm“. Jetzt bei „Das zweite Attentat“ arbeitete sie mit Regisseur Philipp Osthus zusammen. „Das zweite Attentat“ operiert geschickt mit der Zurückhaltung von Informationen, um Spannung zu generieren. Wir wissen häufig nicht mehr als der Held, und wenn wir doch mehr wissen, können wir dieses Wissen (noch) nicht korrekt zuordnen. Ein Manko hat die Serie: Die zum Einsatz kommenden Killer im Jahr 2023 werden zu tarantinoesk gezeichnet, zu plakativ unpsychologisch, was beim Schauen immer wieder zu slapstikhaften Momenten führt, weil man zur Schau gestellte Lust am Töten nicht ernst nehmen kann. Dies schmälert die Lust am Schauen durchaus, jedoch bei weitem nicht so sehr, dass man davor warnen müsste, denn insgesamt ist „Das zweite Attentat“ eine deutsche Produktion, die sich ganz klar an internationalen Standards messen lassen kann.