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Die besten Krimis 2020: Drei Empfehlungen aus dem Juli

die besten Krimis aus dem Juli 2020

Hochspannung für die Ferienzeit: Eigentlich ist das Timing von Voosen | Danielsson nicht so gut, denn der Palme-Mord wurde gerade aufgeklärt. Trotzdem schaffen sie es mit „Die Taten der Toten“ auf Platz drei der besten Krimis im Juli 2020, weil sie die Schwachstellen der realen Ermittlungen für spannende Gedankenspiele nutzen und dabei auch die Forss-Nyström-Dynamik auf einen Höhepunkt zuläuft.

Zoe Beck schreibt die besten Thriller von morgen, und auch im hier und jetzt landet sie mit „Paradise City“ auf Platz zwei der besten Krimis im Juli 2020. Ein moderner, hochpolitischer Endzeit-Noir, dessen feministischer Blick auf Machtstrukturen und technische Entwicklungen anspruchsvoll unterhält und zugleich scharfe Gesellschaftskritik übt.

Müssen wir uns an Ausnahmezustände gewöhnen? Wolf Harlander gibt mit seinem realistischen Near-Future-Thriller einen Ausblick auf die nächste Krise, die uns nicht nur den Schweiß auf die Stirn treiben wird – unser Krimi des Monats Juli 2020.

Beste Krimis im Juli 2020 „Die Rache der Toten“ von Voosen / Danielsson3. Voosen | Danielsson: Die Taten der Toten

Wenn die (fiktive) Kommissarin Stina Forss bei Voosen Danielsson die Waffe des Palme-Mörders im Nachlass ihres verstorbenen Vaters findet, spielt der Krimi gleich mit dem Schwachpunkt der realen Ermittlungen. Zu banal die Erklärung, dass ein Einzelner hinter einem so brisanten Mord steht und das wichtigste Beweisstück nie gefunden wurde. Zusammen mit Chefin Ingrid Nyström und ihrem engsten Team startet Forss eine illegale Ermittlung, um die Spur der Pistole nachzuverfolgen. Dabei setzen sie sich mit den bekannten Fakten auseinander und spielen zunächst die bisherigen Theorien durch. Doch stoßen sie auf ungeahnte politische Intrigen und Einflussnahmen, deren Auswirkungen sie bereits in früheren Fällen zu spüren bekommen haben. Der achte Band der Forss-Nyström-Serie bringt die durchgehende Erzählebene zum Höhepunkt und führt ihre Protagonisten zur Katharsis. Andeutungen aus den bisherigen Bänden verbinden sich jetzt durch den Mordfall Palme. Stina Forss und Ingrid Nyström bekommen es dabei nicht nur wieder mit unerbitterlichen Gegnern zu tun, sondern müssen sich jetzt auch selbst als Polizisten hinterfragen.

KiWi 2020

480 S., 12 Euro

Beste Krimis im Juli 2020 „Paradise City“ von Zoe Beck2. Zoë Beck: Paradise City

Zoë Beck schreibt schon jetzt die besten Thriller von morgen. Ihren verstörenden Ausblick auf die Folgen von Machtmissbrauch durch Smart-Technologie und neue medizinische Möglichkeiten verbindet sie mit einem erschreckend plausiblen Near-Future-Szenario zu einem spannenden Krimiplot. Beck stellt damit auch die Frage, inwieweit wir in Zukunft noch über unseren eigenen Körper bestimmen können, wenn uns Programme und Algorithmen – angeblich zu unserem Wohl – immer besser analysieren. Dass wir nicht so weit davon entfernt sind, gechipt zu werden und personalisierte Smartcases unsere Leben bestimmen zu lassen, wird durch Zoë Becks intelligente Weiterführung der gegenwärtigen Möglichkeiten mehr als deutlich. Ein moderner, hochpolitischer Endzeit-Noir, dessen feministischer Blick auf Machtstrukturen und technische Entwicklungen anspruchsvoll unterhält und zugleich scharfe Gesellschaftskritik übt.

„Paradise City“ im Krimipodcast von Hardboiled Heuner.

Suhrkamp 2020

280 S., 16 Euro

Die besten Krimis im Juli 2020 Wolf Harlander „42 Grad“ 1. Wolf Harlander: 42 Grad

Müssen wir uns an Ausnahmezustände gewöhnen? Wolf Harlander gibt mit seinem realistischen Near-Future-Thriller einen Ausblick auf die nächste Krise – und die wird uns nicht nur den Schweiß auf die Stirn treiben …Die Hitze trocknet den Rhein und die Talsperren aus, der Asphalt der Straßen bricht auf, Wasser wird knapp, Waldbrände nehmen zu und können nicht gelöscht werden. Schon bald spricht niemand mehr von einem perfekten Sommer. Ein Gluthauch weht durchs Land, die Atomkraftwerke gehen vom Netz, und es wird richtig ungemütlich. Jetzt also auch hier. Wie konnte das passieren? Elsa Forsberg, die sich früher mal bei einer militanten Öko-Bewegung engagiert hat und jetzt als Datenanalystin für die europäische Umweltagentur arbeitet, wird zur Recherche nach Deutschland geschickt. Neben Analysen, Hochrechnungen und Notstandsplänen gibt es eine heiße Spur, dass auch die Bösen schon warm gelaufen sind: Eine internationale Terrorzelle verübt Sprengstoffanschläge auf Talsperren, Giftanschläge verknappen die Wasserversorgung, und Versorgungs-Schaltstellen werden durch Cyberattacken ausgeknipst. Der 62-jährige Journalist und Autor greift auf gut recherchierte Fakten zurück, die er, und zwar erschreckend plausibel, in apokalyptisch anmutende Zustände hochrechnet. Wolf Harlanders glaubhafte Fiktion glüht gedanklich nach – und sollte möglichst lange nicht real werden, sondern gut gemachte Unterhaltung bleiben.

Rowohlt 2020

528 S., 15 Euro