Die (bislang) besten Alben des Jahres 2026
Die kulturews-Redaktion hat die Köpfe zusammengesteckt und die Alben-Highlights des ersten Halbjahres 2026 ermittelt. Darunter sogar ein deutsches Album.
Von Musikredaktionen verflucht und doch jedes Jahr wieder neu zusammengestellt: Jahresbestenlisten. Auch wir bei kulturnews schwören uns jeden November, dieses Jahr ohne so ein blödes Ranking auszukommen, spätestens Anfang Dezember juckt es dann aber doch in den Fingern. Genau deshalb – und, weil dieses Jahr bereits einige Highlights bot – heißt es nun: Flucht nach vorn. Denn wer Jahresbestenlisten kann, kann ja wohl erst recht Halbjahresbestenlisten. So haben wir uns in der Redaktion konklavenartig eingeschlossen, bis grauer Rauch aufstieg und unsere zehn liebsten Alben des ersten Halbjahres 2026 in unsortierter Reihenfolge feststanden. Viel Spaß damit!
„Something worth waiting for“ von Friko

„Lehnen wir uns doch mal ganz weit aus dem Fenster: Friko werden 2026 den Siegeszug wiederholen, der Geese im vergangenen Jahr gelungen ist“, schwärmt Carsten Schrader in seiner Review zum Album. Und kürt Friko-Frontmann Niko Kapetan zum spokesman of a generation.
„Inferno“ von Boards Of Canada

Das neue Album von Borads Of Canada wurde von Fans und Kritiker:innen frenetisch gefeiert. Auch kulturnews-Redakteur Matthias Jordan stimmte in seiner Review zum Album mit in die Jubelchöre ein: „Für zwei notorisch scheue Brüder aus Schottland, die seit 13 Jahren keine Platte veröffentlicht haben, sind Boards Of Canada dann doch erschreckend aktuell: Vaporwave, liminal spaces, selbst Analog Horror – die Ästhetik, die heute große Teile des Internets prägt, haben Michael Sandison und Marcus Eoin schon vor einem Vierteljahrhundert gelebt.“
„You seem pretty sad for a Girl so in Love“ von Olivia Rodrigo

Olivia Rodrigo gehört zu den absoluten Popstars, auf die sich sowohl die kritischen Tastemaker als auch die kreischenden Teeniefans einigen können. Wieso? Das könnt ihr in unserem Feature zum Album nachlesen.
„Different when it’s silent“ von Tricky

Ist dieses Album womöglich schon das Album des Jahres? Unser Autor Carsten Schrader stellt jedenfalls fest: „Vor allem die zerbrechlichen Hymnen ,So cold‘ und ,Hengrove Blues‘ stellen sicher, dass Tricky bei den Album-Highlights am Ende des Jahres nicht vergessen werden wird.“ Die ganze Review lest ihr hier.
„Rumspringa“ von ear

Über das New Yorker Duo ear, das einst mit einem iPhone begann, Musik zu produzieren, ist nicht viel bekannt. Fest steht aber, dass Jonah Paz und Yaelle Avtan mit ihrem neuen Album erneut eine einzigartige Dekonstruktion des gegenwärtigen Pop geliefert haben. Das klingt sperriger, als es ist – trust us! Auch die UK-Dance-Erneuerer von Overmono haben unserem Autoren Felix Eisenreich in einem Interview zu ihrem neuen Album „Pure Devotion“, das ohne Frage ein Kandidat für eine etwaige Jahresbestenliste ist, verraten, dass „Rumspringa“ von ear einen großen Einfluss auf ihr neues Album hatte.
„Oh yeah?“ von Steve Lacy

Steve Lacy gehört längst zum absoluten Altpop-Adel. Und sein neues Album beweist auch, wieso. Lacy verhandelt darauf so große Themen wie seine queere Identität oder Dating-Wahnsinn der Gen Z, springt aber im selben Moment ins Absurde, berichtet ungefiltert von seinen letzten Sexerfahrungen und irritiert damit wohl selbst die treuesten Fans. Dass dabei Breakbeats auf Break-up-Hymnen treffen, tut sein Übriges. Dieser Mann liebt die Irritation. Und dafür lieben wir ihn.
„Your Day will come“ von Chanel Beads

Dass die Band um den New Yorker Shane Lavers das zweite Album genauso wie das erste betitelt hat, zeigt: Diese Band schreckt nicht vor radikalen Entscheidungen zurück. Jeder Labelchef hätte wohl von so einem Move abgeraten, wobei dieser wunderschöne und zugleich hochexperimentierfreudige Sound von Chanel Beads jede noch so groteske Entscheidung rechtfertigt.
„Super Sonic Youth“ von Nils Keppel

Nils war bereits Teil unserer Hotlist 2026 und ist dort wie in dieser Liste völlig zu Recht gelandet. Der in Leipzig ansässige Postpunkboy gehört zu den wenigen in Deutschland, die den NNDW-Style nicht bloß als Hype-Welle geritten sind, sondern dieser Soundtradition mit voller Hingabe und nötiger Ernsthaftigkeit begegnen. Bei seinem Debütalbum „Super Sonic Youth“ wird gelitten, geweint und geliebt – und das oft auch gleichzeitig.
„Trying Times“ von James Blake

An James Blake scheiden sich regelmäßig die Geister. Für einen wollen mehr Elektro, die anderen mehr Songwriting von ihm hören. Mit „Trying Times“ hat Blake womöglich beide Gruppen versöhnt. Zumindest ist ihm der Schulterschluss aus Produktionsfrickelereien und seinem zarten Gesang so gut gelungen wie lange nicht.
„New Avatar“ von Kelela

Als Vergleichsgröße für andere Musiker:innen herangezogen zu werden, markiert vor allem eines: Hier hat jemand einen Signature-Sound, eine prägende Klangwelt oder gar ein Genre entwickelt. Mit ihrem neuen Album „New Avatar“ könnte Kelelea selbiges gelungen sein. Immerhin schreibt unser Autor Matthias Jordan in seiner Review zum Album: „Kelelas erklärtes Ziel war es, Vorurteile über R&B und Rock sozusagen im selben Atemzug zu widerlegen. Das Resultat klingt allerdings primär weder nach R&B noch nach Rock – sondern vor allem nach ihr selbst.“