MUSIK

„Anger Baby“ von Dissy: Mach mal positiv!

Lissy alias Till Krücken in einer Badewanne ohne Wasser
Foto: Fritz Elsmann

Dissy, sprichst du den Titel deines neuen Albums „Anger Baby“ deutsch oder englisch aus?

Dissy: Eigentlich kann es jeder aussprechen, wie er möchte. Ich spreche es deutsch aus, denn der Titel bezieht sich ja auch auf den Anger in Erfurt, wo ich gewohnt habe und das ganze Dissy-Ding entstanden ist. Schon damals hatte ich die Idee, mit diesem Wort ein bisschen zu spielen. Und „Anger Baby“ als „wütendes Baby“ – das trifft auf mich auch zu.

Dabei klingt „Anger Baby“ ja eigentlich versöhnlicher als das, was man von dir gewohnt ist.

Dissy: Der Grund dafür ist ganz einfach: Corona. (lacht) Ich war viel mehr allein und hatte mehr Zeit, zu reflektieren und nachzudenken. Das hört man auch auf dem Album, das weniger Samples und Features beinhaltet. Dabei hatte ich aber auch nicht so viel Lust auf düstere Gedanken. Sie sind zwar noch immer ein Teil von „Anger Baby“, aber insgesamt geht es in eine hoffnungsvollere Richtung. Auch, weil ich das Album im Sommer und viel in der Sonne geschrieben habe.

„Zugleich finde ich auch selbst Leute total spannend, die komplizierter oder vielleicht ein bisschen toxisch sind.“ Dissy über sein neues Album „Anger Baby“

Mit düsteren Gedanken wirst du oft assoziiert. Nimmst du dich mit „Sexy Depression“ auch selbst aufs Korn?

Dissy: Zum einen kann ich mich nicht davon freimachen, dass ich gern mal über meine Struggles rede – und dass man sich damit manchmal ein wenig interessanter macht. Zugleich finde ich auch selbst Leute total spannend, die komplizierter oder vielleicht ein bisschen toxisch sind, und gerade in der Musik ist das aktuell sehr präsent. Dabei kann es passieren, dass Leute, die wirklich krasse psychische Probleme haben, in der Masse untergehen. Natürlich will ich niemandem seine Probleme absprechen – daher ist der Song eigentlich auch wertfrei.

Ich kann mir vorstellen, dass es schwierig ist, als depressiver Künstler abgestempelt zu werden.

Dissy: Es kann zu einer Spirale werden. Wenn alle dich mit deiner Depression identifizieren, wirst du nur noch immer depressiver. So ging es mir: Ich bin aus der ganzen Negativität irgendwann nicht mehr rausgekommen. Mit dem neuen Album wollte ich ein bisschen aus dieser Schleife ausbrechen, und es hat sich total gut angefühlt, auch mal Hoffnung zuzulassen. Witzigerweise sagen mir allerdings viele Leute, dass es gar nicht so positiv klingt. (lacht)

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