George Jaques über „Sunny Dancer“: Mehr als eine Diagnose
Ein unsentimentaler und doch bewegender Film über krebskranke Teens? Regisseur George Jaques hat es hingekriegt – vielleicht, weil er selbst noch verdammt jung ist.
George, „Sunny Dancer“ ist eine gewagte Kombination: Eine Feelgood-Komödie über krebskranke Jugendliche. Was hat dich dazu inspiriert?
George Jaques: Mein erster Film „Black Dog“ war ein sehr kleiner britischer Independent-Film. Danach wollte ich etwas machen, dass die Ensemblefilme der 80er und 90er zurückbringt, wie „The Breakfast Club“. Und ich wusste, ich konnte meine eigene Version dieser Geschichte drehen: Meine Produktionsfirma ist jetzt zehn Jahre alt, und durch sie kenne ich all die jungen, coolen Schauspieler:innen.
Und wie ist das Thema Krebs dazugekommen?
Jaques: Bei meiner Mutter wurde Brustkrebs diagnostiziert, als ich 15 war. Wir hatten Glück, und sie hat überlebt. Aber es war trotzdem ein einschneidendes Erlebnis. Als Teenager zu sehen, wie die eigene Mutter krank wird, wie sie immer wieder ins Krankenhaus muss – das hat mich stark geprägt. Mit 16 war ich so wahnsinnig, meine eigene Firma zu gründen, das hat sicher damit zu tun, dass ich mich in der Arbeit versenken wollte. Ich wollte also schon immer einen Film über Krebs machen, aber es sollte eine Komödie sein. Meine Cutterin Caitlin Spiller hat mir dann erzählt, dass sie früher in Sommercamps für Jugendliche mit Krebs war – da war mir sofort klar, dass das mein Film wird.
Wie hast du dich dann über die Camps informiert, die es ja wirklich gibt?
Jaques: Ich habe eng mit einer Organisation namens Teenage Cancer Trust gearbeitet, durch die ich viele junge Leute getroffen habe. Was mich wirklich umgehauen hat, war, dass sie so viel interessanter waren als ihre Diagnosen – sie sind so rebellisch, so wild. In Filmen wurde das noch nie so richtig abgebildet.
Sowohl Filme über Teens als auch über Krebs wecken gewissen Erwartungen. Gab es Klischees, die du unbedingt vermeiden wolltest?
Jaques: Auf jeden Fall hatte ich kein Interesse, einen Krankenhausfilm zu drehen, bei dem man jemandem zwei Stunden lang beim Sterben zusieht. Ich wollte die ganze Reise abbilden, die Krebs bedeuten kann – und ich wollte, dass der Film lustig ist. Zusätzlich ist die Art, wie die Figuren sprechen, authentischer als sonst: Ich war 23, als ich das Drehbuch geschrieben habe, und 24 während des Drehs. So nah am Alter der Figuren und der Schauspieler:innen zu sein, hat auf jeden Fall einen Riesenunterschied gemacht.
Wobei sich ja gerade, wenn es um Teenager-Slang geht, die Dinge extrem schnell entwickeln.
Jaques: Voll, da hat sich viel geändert, seit ich selbst wie die Figuren 17 war. Mit „Sunny Dancer“ wollte ich einen zeit- und raumlosen Film schaffen. Klar, die Figuren haben iPhones, aber ihre Outfits sind alle an die 90er angelehnt. Das war eine sehr bewusste Entscheidung: Das Camp ist ein bisschen aus der Zeit gefallen. Auch die Wörter, die die Jugendlichen benutzen, sind ziemlich universell – niemand sagt „six-seven“ oder so. (lacht)
Bei einem Ensemblefilm wie diesem ist die Chemie zwischen den Hauptdarsteller:innen extrem wichtig. Hast du das Casting ganz besonders ernst genommen?
Jaques: Ruby Stokes, die Ella spielt, war schon bei „Black Dog“ dabei, und ich habe die Rolle für sie geschrieben. Ich wusste also, was ich von ihr erwarten kann. Der krasseste Tag kam, als wir Bella Ramsey gecastet haben. Zu der Zeit war gerade die erste Staffel von „The Last of us“ herausgekommen, und Bella war die berühmteste Person auf dem Planeten, aber mochte das Drehbuch total. Wir haben telefoniert, und ich war super nervös – oh mein Gott, was, wenn ich alles ruiniere? Aber dann haben wir uns einfach nett unterhalten, und Bella war an Bord. Damit hatten wir zwei der sechs Jugendlichen, die die Kerngruppe ausmachen, und das hat alles leichter gemacht.
Wie hast du sichergestellt, dass alle zusammenpassen?
Jaques: Ich sage meinen Schauspieler:innen immer: Mein Job ist nicht, dass ihr beste Freund:innen werdet – es muss nur auf der Leinwand so aussehen. Aber schon am zweiten Tag der Proben waren sie alle befreundet, sind zusammen essen und feiern gegangen. Ich weiß noch, dass sie an einem Abend gesagt haben: Wir gehen heute weg, wahrscheinlich sind wir morgen verkatert. Am nächsten Morgen haben sie stolz erzählt, sie wären bis elf Uhr abends wach geblieben. Ich dachte nur: Wenn das für euch spät ist, kann dem Film nichts passieren. (lacht)