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Einfühlsames Epos

Buchcover „Der Fremde aus Paris“ von Isabella Hammad
Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad

Zadie Smith höchstpersönlich hat angezweifelt, dass es sich bei „Der Fremde aus Paris“ von Isabella Hammad tatsächlich um ein Debüt handelt. Und es stimmt: Die britisch-palästinensische Autorin Isabella Hammad erzählt ihre komplexe Geschichte mit einer ruhigen Wärme, einer Empathie für ihre Figuren, die zuweilen an George Eliot erinnert. Ein historischer Roman, der eine politisch hochbrisante Zeit schildert und auch noch eine tragische Liebesgeschichte beinhaltet, hätte leicht unter seinem eigenen Gewicht kollabieren können: Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs reist der junge Midhat Kamal – Hammads eigenem Urgroßvater nachempfunden – von Nablus in Palästina nach Montpellier, um Medizin zu studieren.

In Frankreich verliebt er sich nicht nur in eine Frau, sondern vor allem in das Land selbst. Nach seiner Rückkehr erlebt Midhat, wie das ehemalige Osmanische Reich zerteilt wird, er wird Zeuge von Kämpfen zwischen Arabern und Zionisten, gründet eine Familie und wird doch immer ein Fremder bleiben. Elegant verwebt Hammad die zeitgeschichtlichen Ereignisse mit Einzelschicksalen, ohne in Genreklischees zu verfallen. Häufig kommen gerade die Momente des Verlusts und des Scheiterns dem Leben am nächsten: Nicht alle Ereignisse haben Bedeutung, nicht alle Fragen werden beantwortet, und nicht alle Liebesgeschichten enden, wie man es erhofft.

Mit „Der Fremde aus Paris“ hat es Isabella Hammad auf unsere Liste der besten Romane im November 2020 geschafft.

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