Jasmin Tabatabai veröffentlicht ihr neues Album „Jagd auf Rehe“.
Foto: Mathias Bothor

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Jasmin Tabatabai: „Jagd auf Rehe“

Eklektischer geht es kaum: Jasmin Tabatabais neues Album „Jagd auf Rehe“ deckt ein denkbar breites Spektrum ab. Das geht los mit Schuberts „Ständchen“, führt über Hildegard Knef zu Nick Drake und Annie Lennox und macht sogar vor „Hey Jude“ nicht halt. Mit „Anymore“ ist auch ein selbstgeschriebener Song dabei. Jasmin Tabatabai singt dabei auf Deutsch, auf Englisch, auf Franzözisch und auf Persisch. All diese verschiedenen Lieder verwandelt sie mit samtiger Stimme in subtil perlenden Jazz.

Das Herzstück des Albums – und zugleich der Titelsong – ist allerdings „Shekare Ahoo“. In dem persischen Volkslied geht es um eine unglückliche Liebe, die das lyrische Ich in die Berge treibt, um Rehe zu jagen. „Ich persönlich habe die Assoziation mit Unschuld, wenn ich an Rehe denke, und muss sofort auch daran denken, wie viel Unschuld in unserer Gesellschaft, unserer Welt gejagt wird“, sagt die Sängerin dazu. „Für mich steht das Lied außerdem für eine große Sehnsucht nach dem Land meiner Kindheit, in das ich ja nicht mehr zurückkann. Ich glaube, jeder Iraner empfindet es so – oder kann es so empfinden.“ Jasmin Tabatabai, die viele wohl eher als Schauspielerin kennen („Bandits“, „Letzte Spur Berlin“), ist in Teheran geboren und besitzt die deutsche und die iranische Staatsbürgerschaft.

Für „Jagd auf Rehe“ hat Tabatabai erneut mit dem Schweizer Komponisten David Klein zusammengearbeitet. Es ist nach den Platten „Eine Frau“ und „Was sagt man zu den Menschen, wenn man traurig ist“ bereits die dritte Kollaboration der beiden. Und momentan sieht es nicht danach aus, als hätten Tabatabai und Klein Lust zum Aufhören. Ihr Cover von Reinhard Meys „Männer im Baumarkt“ kam jedenfalls schon mal sehr gut an – allen voran bei Mey selbst.

„Jagd auf Rehe“ ist heute erschienen. mj