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„Oktoberkind“ von Linda Boström Knausgård: Psychiatrie und Elektroschocks

Buchcover „Oktoberkind“ von Linda Boström Knausgård

In „Oktoberkind“ schreibt Linda Boström Knausgård über das Leben im Schatten ihres Mannes.

Über kaum einen Menschen, den wir nicht persönlich kennen, können wir so viel wissen wie über Karl Ove Knausgård, der sein gesamtes Leben in Romanen verarbeitet. Dass er dabei nicht immer fair bleibt, ist wohl kaum überraschend. Insofern kann man „Oktoberkind“von Linda Boström Knausgård auch als eine Art Gegendarstellung lesen, denn hier spricht Knausgårds Exfrau ähnlich freimütig über ihr Leben – allerdings benötigt sie dafür deutlich weniger Seiten.

Wenn auch wie immer unklar ist, wo Autobiografie endet und Fiktion beginnt, teilt ihre Icherzählerin ihren Namen, ist wie sie Tochter einer schwedischen Schauspielerin und hat vier Kinder mit einem norwegischen Autor, von dem sie inzwischen geschieden ist. Am Anfang des Romans ist sie gerade in der Psychiatrie, wo sie mit Elektroschocks behandelt wird. Die nehmen ihr zunehmend ihre Erinnerungen – was sie in eine Krise stürzt und zugleich motiviert, ihre Vergangenheit festzuhalten, ehe es zu spät ist. Assoziativ erinnert sie sich an die Kindheit bei der unbeständigen Mutter, das Leben im Schatten ihres Mannes, den immer stärkeren Leidensdruck ihrer Krankheit. Schonungslos geht Boström Knausård dabei nicht nur mit ihrer Umwelt, sondern auch mit sich selbst ins Gericht. Was wohl ihre Kinder eines Tages von diesem Buch halten werden? Bei diesen Eltern schreiben sie sicherlich einen Roman darüber.

 

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