Miles Davis: Miles electric: A different Kind of Blue
Für eine ganze Generation von Jazzmusikern entschied sich in den Jahren 1969 und 1970, wohin die Reise gehen sollte. Ohne Miles Davis, ohne sein „Bitches Brew“-Album, ohne seinen konzentrierten Gig beim(Rock-) Festival auf der Isle of Wight hätten Chick Corea und Keith Jarrett vielleicht nie ein E-Piano angefasst, hätten Jazzrock und Fusion vielleicht nie die folgenden Jahre geprägt. „Sie fühlten sich nicht wohl dabei, aber sie taten es aus Respekt vor Miles“, urteilte Marcus Miller über Davis’ Musiker, die das selbst im Interview freilich nicht zugeben.
Diese DVD ist nichts für Davis-Fans, die möglichst viel Musik hören wollen, sondern ein musikhistorisch unglaublich spannender Dokumentarfilm über die wichtigste Dekade des 20. Jahrhunderts, über einen ernsthaften, brutalen Künstler, „der sich nicht dem Plastiksystem anbiederte“, wie Carlos Santana meint. Sie alle, Santana, Joni Mitchell, Jazz-Kritiker Stanley Crouch, Airto Moreira, Dave Liebman oder Jack DeJohnette sagen viel über Davis – wohl gewogene verbale Verbeugungen, die fast schwatzhaft klingen im Vergleich zu den wenigen Sätzen, die vom Meister selbst überliefert sind.