Miles Davis: The complete On the Corner Sessions

Rundum zufrieden war Miles Davis zeitlebens selten bis nie. Doch so richtig genervt, wirklich stinksauer war er mal wieder in den frühen 70ern, als Kollege Herbie Hancock mit seinem für Jazzrock und Fusion richtungsweisenden Album „Headhunters“ genau den Erfolg landete, der Davis’ „On the Corner“ versagt geblieben war. Schuld war natürlich mal wieder die falsche Werbestrategie der Plattenfima, waren widrige Umstände wie ein Autounfall. Die Wahrheit: Davis hatte sich zu eigenbrötlerisch mit Elektronik, der Musiktheorie Stockhausens und sich selbst beschäftigt – und mit den künstlerischen Ideen Paul Buckmasters, der jetzt den Einleitungstext des „Corner Sessions“-Sixpacks geschrieben hat. Darauf dürfen sich Davis-Fans freuen, ebenso auf die hübsche Sammlung rarer Fotos und eine edle Box. In der befindet sich natürlich auch interessante Musik, die den langen Marsch zum Funk dokumentiert. Schwer zugänglich das alles, qualitativ wirklich nicht mehr als pures Sessionmaterial trotz prominenter Gäste wie Chick Corea, Al Foster und Hancock selbst. 400 Minuten Gesamtspielzeit, davon mehr als zwei Stunden unveröffentlichtes Material – eine formidable Fundgrube für Funk-Forscher. Aber nichts, was man seinen Freunden beim Feierabendbier vorspielen möchte.
Musik


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