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Quentin Tarantino: Hollywood Reloaded

Quentin Tarantino veröffentlicht mit „Es war einmal in Hollywood“ seinen ersten Roman
Foto: Art Streiber/AUGUST

„In den 70er-Jahren waren Romanfassungen von Filmen die ersten Bücher für Erwachsene, die ich gelesen habe: Daher bin ich stolz, ,Es war einmal in Hollywood‘ als meinen Beitrag zu diesem oft marginalisierten, aber geliebten Subgenre der Literatur anzukündigen“, sagt Quentin Tarantino über seinen Roman. Natürlich sind die Figuren und auch der Plot aus seinem mit vielen Filmpreisen ausgezeichneten Meisterwerk aus dem Jahr 2019 bekannt: Da ist der abgehalfterte Schauspieler Rick Dalton, der einst für seine eigene Fernsehserie „Bounty Law“ gefeiert wurde, inzwischen aber nur noch als Western-Bösewicht gebucht wird und seine Selbstzweifel in Whiskey Sours ertränkt. Da ist sein Stuntdouble Cliff Booth, ein ehemaliger Kriegsheld, der seinem Boss aber eigentlich nur noch als Fahrer, Hausmeister und Therapeut dient. Und weil die Handlung im Februar 1969 in Los Angeles spielt, treten auch Roman Polanski, seine Frau Sharon Tate und Charles Manson auf. Doch bietet das Buch des 58-jährigen Starregisseurs eben nicht nur das abgedruckte Drehbuch oder eine Nacherzählung des Films: Tarantino ergänzt die Vorgeschichte seiner Figuren, er verleiht ihnen mehr Tiefe, und durch eine andere Anordnung der Handlungselemente setzt er einen komplett neuen Fokus.

Wie oft passt das Wort „ficken“ auf eine Seite seines Romans?

Vielleicht einfach mal zur Seite 272 blättern: Hier gelingt es dem Autor, das Wort „ficken“ ganze 21 mal auf einer einzigen Buchseite unterzubringen. Okay, die Häufigkeit ist imposant, doch eine wirklich große Überraschung ist das bei Tarantino natürlich nicht. Spannender ist da schon, dass wir uns hier in dem Kapitel „Die Tapferkeitsmedaille“ befinden und viele Informationen über die von Brad Pitt gespielte Figur bekommen, die der Film ausspart: Nach dem Zweiten Weltkrieg landet der spätere Stuntman zunächst in Paris, wo er mit dem Gedanken spielt, als Zuhälter seinen Lebensunterhalt zu verdienen, und so lässt er sich von den maquereaux eine ausführliche Jobbeschreibung geben. In einem anderen Kapitel erfahren die Lesenden zudem Details über ein Ereignis aus dem Leben von Booth, das im Film nur wiederholt angedeutet wird: Er soll seine Frau umgebracht haben und damit vor Gericht durchgekommen sein. Neben Sharon Stone und Charles Manson ist es vor allem der im Film so mysteriöse und geheimnisvolle Booth, der im Roman eine Tiefenzeichnung erhält.

Selbst beim seitenlangem Runtererzählen von Filmografien ist Quentin Tarantino ein entlarvender Unterhalter

Die Dialoge sitzen bei Quentin Tarantino auch im Roman. Wie in seinem Film gelingt ihm ein bildgewaltiger Abgesang auf die großen Zeiten der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Natürlich steckt eine intensive Recherchearbeit dahinter, wenn er seine fiktive Handlung in ein reales Setting bettet: Selbst beim seitenlangem Runtererzählen von Filmografien ist Tarantino ein entlarvender Unterhalter. Und natürlich hat der spektakuläre Showdown des Films auch im Roman seinen Platz – wenngleich er hier nicht am Ende steht: Bei Tarantino dringen die Mitglieder von Mansons Hippie-Gang nicht in die Villa von Roman Polanski ein und töten die hochschwangere Sharon Tate und ihre Freunde, sondern landen nebenan bei Rick Dalton und werden von dem Westernhelden und seinem Double übel massakriert. Im Roman setzt Tarantino einen anderen, deutlich versöhnlicheren Schlussakkord, indem er ganz nah an einen Rick Dalton heranrückt, der sich von seiner achtjährigen Schauspielerkollegin Trudi den Weg weisen lässt.

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