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Zweite Chance

Buchcover „Cloris“ von Rye Curtis

Mit „Cloris“ lädt Rye Curtis zu einem Erkenntnistrip ein: Cloris Waldrip stürzt mit dem Flugzeug ab, überlebt und kämpft sich durch die Bitterroot-Mountains in ein neues Leben. Bislang hat Konformität mit einem konservativen Umfeld den Alltag der 72-jährigen Texanerin geprägt: Was in der Bibel steht, was die Nachbarn sagen oder was eben von einer Ehefrau ihrer Generation erwartet wird, das war für Cloris das Maß aller Dinge. Auf sich allein zurückgeworfen, muss sie feststellen, dass nicht Glaube und Moral beim Überleben helfen, sondern Taten, die aus Not hervorgehen. Während ein Suchtrupp unter einer ambitionierten und vom Leben gebeutelten Rangerin auf ihrer Spur ist, wird Cloris von einem Einsiedler beobachtet und vor Gefahren beschützt. Windet sich die anfangs überforderte Cloris nur zaghaft und voller Scham über ihre missliche Lage durch die Wildnis, stellt sie mit zunehmender Erfahrung ihr bisheriges Leben infrage, in das sie nicht mehr zurück möchte. Rye Curtis belohnt die Ausdauer der Lesenden und platziert am Ende seines Romandebüts eine reife Erkenntnis: Wer über Menschen und Leben urteilen möchte, muss erst einmal selbst leben.

Mit „Cloris“ hat es Rye Curtis auf unsere Liste der besten Bücher im November 2020 geschafft.