„Stand on my Shoulders“ von Ya Tseen: Alles bordet über
Auf seinem zweiten Album setzt Ya Tseen auf Maximalismus – thematisch und musikalisch. Das ist nicht immer kohärent, aber immer spannend.
Das ganze zweite Album von Ya Tseen steht im Zeichen von Nicholas Galanins 2021 verstorbenem Vater: Er hat seinem Sohn nach einem Unfall einst den Namen Yeil Ya Tseen („Rabe, der überlebt“) gegeben, und seine Tlingit-Insignien zieren das Cover. Als Musiker, bildender Künstler und traditioneller Schnitzer bezieht sich Galanin immer wieder auf die Kultur seines Clans, doch sein Vater war auch Bluesgitarrist.
„Stand on my Shoulders“ klingt allerdings weder nach indigener Volksmusik noch nach Blues, sondern einem maximalistischen, hyperaktiven Gemisch aus Dancerock, Funk, alternativem R’n’B und sphärischem Pop. Dass Galanin Ya Tseen eher als Projekt oder Kollektiv sieht denn als Band, zeigt die Gästeliste: Auf sieben von elf Tracks sind etwa Features von Portugal. The Man, Meshell Ndegeocello, Pink Siifu zu hören. Die Fülle an Sounds und Ideen kann überwältigend wirken, die Themen wie Verbindung zum Land und Widerstand sind dahinter nicht immer leicht erkennbar. Doch „Stand on my Shoulders“ ist niemals langweilig – und spätestens beim Closer „Digital Winter“ auch sehr bewegend.