„The Kollective“: Auf den Spuren von Bellingcat?
ZDFneo und die ZDF-Mediathek bringen mit „The Kollective“ eine spannende, wenn auch oft unglaubwürdige Thrillerserie über einen Flugzeugabsturz im Kongo und die Folgen. Als eine internationale Recherchegruppe hinter dem Absturz nicht nur ein großes Verbrechen aufdeckt, sondern gar internationale Interessen agieren sieht, kommt es zu etlichen weiteren Morden.
Als im Kongo im Jahr 2021 (also noch vor dem russischen Angriff auf die Ukraine) ein Passagierflugheug abstürzt, kommen Mitgliedern der unabhängigen Rechercheorganisation The Kollective sofort Bedenken, ob es sich wirklich um einen normalen Unfall handelte. Als sie auch noch erfahren, dass der bekannte britische Investigativjournalist Steve Lush an Bord war und mit allen anderen Passagieren ums Leben kam, sind sie sich sicher: Das war ein Attentat. Sie beginnen mit der eigenen Recherche. Die Thrillerserie „The Kollective“ kann jetzt in der ZDF-Mediathek gestreamt werden und läuft bald bei ZDFneo.
Delia und Joshua (Gregg Sulking) sind zwar ein Paar, aber er als Gründer der Rechercheorganisation The Kollective und sie als Mitglied der Organisation sind sie sich im Fall des Flugzeugabsturzes in der Vorgehensweise nicht einig. Nachdem eine Zusammenarbeit mit dem Medienkonzern Globecom Media, dessen Vertreterin Maya (Natasha McElhone, „Californication“, „Halo“) ist, und Joshuas Team nicht zustandekommt, weil Maya zu viele Forderungen stellt und alle außer Joshua ihre Unabhängigkeit in Gefahr sehen, beginnt The Kollective auf eigene Faust mit der Recherche, unterstützt werden sie von Maya in der Folge dennoch. Dann aber fliegt Joshua eigenmächtig nach Kingshasa, um mit den Recherchen zu beginnen, und trifft sich dort mein der Informantin Claude (Martha Canga Antonio, „Lupin“), der Leitering eine Taxikooperative. Obwohl Claude Joshua warnt, weiter zu recherchieren und sich einzumischen, lässt dieser sich nicht abhalten. Er recherchiert mitten im Wahlkampf um die Präsidentschaft im Kongo, entdeckt die Verwicklung von russischen Söldnern ins Geschehen um diese Wahlen und damit verbunden auch um den Abbau von Cobalt, denn der Kongo hat riesige Vorkommen seltener Erden, die beim Bau von Autobatterien genauso benötigt werden wie von Handys und Computern . Die Oppositionspartei will den Abbau dieser seltenen Erden verstaatlichen, doch was wollen die russischen Söldner?
„The Kollective“: James Bond auf Mission Impossible
Der israelische Regisseur Assaf Bernstein („Fauda“) und die Regisseurin Randa Chahoud („Deutsches Haus“, „Legal Affairs“) haben nach den Büchern des Drehbuchautors Leonardo Fasoli („Gomorrha – Die Serie“) und der Autorin Maddalena Ravagli (gemeinsam mit Leonardo Fasoli Creatorin der Serie „Django“) einen Thriller gedreht, der spannend über mehr als nur internationale geheimdienstliche Aktivitäten berichtet. Zwar hat Produzentin Femke Wolting bereits den Dokumentarfilm „Bellingcat: Truth in a post-truth World“ über die für The Kollective als Vorbild dienende reale Rechercheorganisation Bellingcat gedreht, doch die Serie jetzt geht doch arg ins Spekulative und Abenteuerliche. Hier wird die Demokratie in der Demokratischen Republik Kongo unterwandert, die anstehenden Wahlen werden manipuliert. Was aber immer wieder aufstoßen lässt, ist das oft trampelige und unvorsichtige Auftreten der Mitglieder von The Kollective – vor allem Delia (Céline Buckens, „Suspect – Staffel 2“, „Warrior“) und Aaron (Felix Mayr, „Wendehammer“, „Senna“), die in Ländern wie Ungarn, Lettland und immer wieder Russland fliegen und mit ihren Recherchen fortfahren und damit Menschen vor Ort in sehr große Gefahen bringen, während mit den IT-Nerds Etienne (Grégory Montel, „Transatlantic“, „Call my Agent“) im französischen Nantes und Lucas (Gijs Blom („Der Brief für den König“) in Amsterdam die digitale Recherche vorantreiben und bald selbst in große Gefahr geraten. Die einzelnen Folgen der Serie enden dann auch gerne mit einer Eruption an Gewalt und mit brutalen Morde an Helfern und Jorunalistinnen. Ohne zu viel zu verraten, sei gesagt, dass sich die Recherchen von The Kollective schon bald nur noch auf russische Aktivitäten konzentrieren, so wie es auch die wirkliche Rechercheorganisation Bellingcat tut. Doch mit den finalen Ereignissen entfernt sich die Serie doch weit von jedem Anspruch, realistisch zu bleiben. Da dringt man in verbotene Zonen Russlands ein, wo eine heimliche Rüstungsindustrie klandestin vor sich hin werkelt und es zu einem Showdown kommt, der in seiner Präsentation des bösen Gegners an eine Mischung aus „James Bond“und „Mission Impossible“) erinnert, gefolgt von einem kitschigen Finale, in dem The Kollective die Öffentlichkeit heldenhaft wachrüttelt. Immerhin: Die Serie ist als Actionthriller sehr gut gemacht und schnell wegzuschauen.