FILM

TV-Tipp: Emmanuelle Bercot und Vincent Cassel in „Mein ein, mein alles“

Mein ein, mein alles
Foto: ZDF/Shanna Besson

Eine erhabene Berglandschaft. Eine Frau steht am Beginn einer Skipiste, schaut skeptisch, dann schwingt sie in die Tiefe. Schnitt. Man sieht die Frau schlafen, auf dem Rücksitz eines Autos. Schnitt. Die Frau steigt aus, schleppt sich in einen Rollstuhl. Erst nach Minuten haben wir die Startszenen von Maïwenns „Mein ein, mein alles“ verstanden: Ein schwerer Sportunfall zwingt Tony (Emmanuelle Bercot), innezuhalten, sich Gedanken über die so leidenschaftliche wie zerstörerische Beziehung zu Georgio (Vincent Cassel) zu machen.

So arbeitet Maïwenn: Die Kamera erfasst immer nur einen Teil des Geschehens, manches erschließt sich später, manches bleibt Andeutung. Das Ergebnis ist das ungemein dichte, dokumentarisch anmutende Porträt einer zerbrechenden Ehe. Nicht nur inhaltlich erinnert das an eine heterosexuelle, erwachsene Variante von Abdellatif Kechiches „Blau ist eine warme Farbe“, auch bei der Zeit, die sich Maïwenn für ihre Szenen nimmt, bei ihrer Bereitschaft zum langsamen und genauen Erzählen ist eine Verwandtschaft festzustellen. Einzig die unglückliche Entscheidung, Vincent Cassel als Georgio zu besetzen, lässt den Film ein Stück weit ins gedankenlose Starkino absacken. Denn Cassel als egoistischer Manipulator ist ein Klischee, es ist so naheliegend, dass man sich fragt, wie die kluge Tony je auf so einen Typen reinfallen konnte.

„Mein ein, mein alles“ läuft um 23.25 Uhr auf 3sat.

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