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Spritzenleistung

Buchcover „The German Girl“ von Ulrike Sterblich

1966 besangen die Beatles mit „Dr. Robert“ das Phänomen des Dr. Feelgood: ein Arzt, der darauf spezialisiert ist, den Reichen und Schönen das Leben angenehmer zu machen. Als Vorbild soll angeblich der bekannte Doktor Robert Freymann gedient haben. In „The German Girl“ von Ulrike Sterblich kommt auch Freymann vor, doch eine weit größere Rolle spielt der ebenfalls reale Max Jacobson: wie Freymann ein deutscher Exilant, der im New York der 60er-Jahre Stars von Elvis Presley bis Marilyn Monroe behandelt hat und sogar John F. Kennedy Injektionen verpassen durfte. In diese Spritzen hat er magnetisierte Steine ebenso wie menschliche Plazenta gemischt – die geheime Hauptzutat allerdings war Methamphetamin.

In diese Welt der New-Age-Kurpfuscherei lässt Sterblich ihre Heldin Mona stolpern. Wie die Ärzte ist sie aus Deutschland nach New York gekommen, möchte aber Model werden – auch wenn die Aufträge meistens ausbleiben. Also pflegt sie ihren zugeflogenen Kakadu, geht feiern und schwankt zwischen zwei Männern: dem wunderschönen, aber unnahbaren Adam und dem bemühten Sidney. Die wahnwitzigen medizinischen Experimente, denen sich die High Society aussetzt, erleben wir vor allem durch Monas sporadische Praxisbesuche; Jacobsons schlussendlicher Fall wird in eingestreuten Vorausblenden geschildert. Doch irgendwie gelingt es der Autorin, dass uns Monas Alltag irgendwann genauso fesselt wie der medizinische Krimi im Hintergrund – keine Selbstverständlichkeit.

Mit „The German Girl“ hat es Ulrike Sterblich auf unsere Liste der besten Bücher im Februar 2021 geschafft.