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„Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ von Verena Rossbacher: Pralinen zum Frühstück

Es wäre ein schwerer Fehler, „Mon Chéri“ von Verena Rossbacher als Berliner Bridget-Jones-Verschnitt abzutun.

Buchcover „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ von Verena Rossbacher

Mit „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ legt Verena Rossbacher ihren vierten Roman vor: Charly Benz ist über 40, alleinstehend, ihre Haare sehen aus wie Schnittlauch, und Freund:innen hat sie auch nicht. Mit Ausnahme vielleicht von Herrn Schabowski, der aber eigentlich nur ihre Post öffnet, weil sich Charly das nicht traut. Ihren Optimismus und Humor hat sie trotzdem nicht verloren, doch praktisch über Nacht kippt ihr leeres, aber stabiles Leben in die Krise: Ihre Schwester verlässt ihren Mann und quartiert sich bei Charly ein, sie trifft ihre Jugendliebe wieder und verliebt sich gleich in zwei weitere Männer, und Herr Schabowski erkrankt unheilbar an Krebs. Zu allem Überfluss stellt Charly fest, dass sie schwanger ist – und alle drei Liebhaber kommen als Vater in Frage.

Der Roman „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ von Verena Rossbacher hat oberflächlich Ähnlichkeit mit einem Berliner Bridget-Jones-Verschnitt – eine Referenz, die auch Charly selbst nicht übersieht. Doch obwohl „Mon Chéri und unsere demolierten Seelen“ nicht mit verqueren Charakteren, hochnotpeinlichen Fettnäpfchen und dem einen oder anderen inspirierenden Satz geizt, greift es zu kurz, darin nur eine typische Romcom zu sehen. Zum einen ist Charly Benz bei allen ihren irritierenden Macken eine zwar überzeichnete, aber trotzdem dreidimensionale Person, deren Wärme das Buch durchzieht. Zum anderen sind da die Mittel, mit denen sie letztlich doch das Glück findet. Gemeinsam mit Schabowski, der jede denkbare Therapie gegen seine Krankheit ausprobiert, lernt Charly neue Lebenswelten kennen. Bald ahnt sie, dass es vielleicht schlicht die Konventionen unserer Gesellschaft waren, die ihr im Weg gestanden haben. Romcoms aber sind im Kern meist zutiefst konservativ: Bridget Jones musste sich am Ende noch zwischen zwei Männern entscheiden. Charly Benz ist da schon um einiges weiter.

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