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„Der verschwundene Mond“ von Zoë Jenny: Schrödingers Krise

In „Der verschwundene Mond“ von Zoë Jenny geht es um die großen Krisen der Männlichkeit, der Wissenschaft und der Moderne.

Buchcover „Der verschwundene Mond“ von Zoë Jenny

Marty leitet das Astronomische Institut in Wien, als Wissenschaftler glaubt er an unumstößliche Sicherheiten, Zahlen und Fakten. Doch in einem eigentlich ganz normalen Sommer scheinen kurz nacheinander alle alten Gewissheiten wegzubrechen: Seine Tochter Stella könnte in Wahrheit ein Mann sein, seine Frau Marlene reist ohne hin in die Ferne. Eine Zufallsbekanntschaft mit dem Psychoanalytiker Steindorfer, der gerade ein Manuskript über das Bewusstsein schreibt, stellt sogar Martys grundlegende Überzeugungen in Bezug auf die Wirklichkeit in Frage. Nur schafft er es im Anschluss irgendwie nie, Steindorfer zu erreichen. Zoë Jennys „Der verschwundene Mond“ ist getränkt von einer unbestimmt bedrohlichen Atmosphäre: Jedes Bild ist bedeutungsschwanger, jeder Moment summt voller unheilvoller Spannung. Ohne, dass etwas konkret Übernatürliches geschieht, scheint Marty in einem Albtraum gefangen. Auf Dauer hat Jennys vage, manchmal surreal anmutende Handlung jedoch auch etwas Frustrierendes. Dann erstarkt der Verdacht, dass es hier gar nicht wirklich um die großen Krisen der Männlichkeit, der Wissenschaft oder der Moderne gehen könnte – sondern schlicht um die Midlife-Crisis eines alternden Mannes. Aber warum muss sich das eigentlich ausschließen?

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