„Alles ist Gold“ von Lisa Roy
Die Handlung von „Alles ist Gold“ erinnert an typisch deutsche Feelgood-Roadmovies, doch trotz der ausgetretenen Pfade ist der Roman von Lisa Roy ein Lesevergnügen.
„Alles ist Gold“ von Lisa Roy ist unsere Buchempfehlung der Woche
Jeder weiß, dass traurige Lieder viel einfacher zu schreiben sind als fröhliche – auf hundert „Yesterday“s kommt vielleicht ein „Walking on Sunshine“. Ähnliches gilt für Bücher: Tragik bedeutsam wirken zu lassen, ist eine leichte Übung, während wirklich lebensbejahende Texte oft langweilig, sentimental oder beides werden. Insofern ist es Lisa Roy hoch anzurechnen, dass sie mit „Alles ist Gold“ genau letzteres versucht. Tatsächlich erinnert die Handlung an typisch deutsche Feelgood-Roadmovies à la „25 km/h“: Jana ist Ende 20, frisch getrennt, beruflich und akademisch in einer Sackgasse und – seit dem 10-jährigen Abi-Jubiläum vor kurzem – schwanger. Spontan fährt sie mit ihrer Zufallsbekanntschaft Miral für ein paar Tage nach Italien und lernt unterwegs, was das Leben lebenswert macht.
So weit, so klischeehaft. Doch Roy hat ein paar Asse im Ärmel, die „Alles ist Gold“ trotz der ausgetretene Pfade zu einem Lesevergnügen machen: ihren Humor sowie einige überraschende Wendungen, darunter die Tatsache, dass Jana ausgerechnet durch das Trinken von Weihwasser neuen Frieden findet. Vor allem aber ihr messerscharfer Einblick in die Psyche ihrer Figuren: Wer sich beim Lesen von Janas toxischen Gedankenspiralen nicht wiederholt ertappt fühlt, hat wahrscheinlich ein außergewöhnlich glückliches Leben geführt. Okay, selbst Roy schafft es nicht ganz, die zweite Hälfte komplett frei von Kitsch zu halten – doch am Ende überwiegen die echten Gefühle.
Mit „Alles ist Gold“ hat es Lisa Roy auf unsere Liste der besten Bücher im Juli 2026 geschafft