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„Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“ von Kristina Lunz und Düzen Tekkal

Cover von „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen“ von Kristina Lunz und Düzen Tekkal.

Kristina Lunz und Düzen Tekkal nehmen den Fall Collien Fernandes zum Anlass, um mit „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen?“ zehn Forderungen zum Schutz von Frauen und Mädchen zu formulieren.

Wer kennt keine Person, die schon einmal sexualisierte Gewalt erlebt hat – verbal, physisch oder digital? Die wenigsten werden gerade mental die Hand gehoben haben. Insbesondere auf der Ebene der digitalen Gewalt gegen Frauen hat sich das Problem mit der Entwicklung der generativen KI verschärft. Erst vor kurzem haben wir das am Fall Collien Fernandes gesehen, die ihren Ex-Mann verklagt und ihm vorwirft, pornografische Fotos und Videos von ihr ohne ihr Wissen – geschweige denn ihr Einverständnis – erstellt und verschickt zu haben. Dieser Fall war es, der Kristina Lunz und Düzen Tekkal dazu bewogen hat, zehn Forderungen zum Schutz von Frauen und Mädchen an die Bundesregierung zu richten und diesen mit 300 000 Unterschriften Nachdruck zu verleihen.

Ein Manifest

Lunz und Tekkal sind seit Jahren als Menschenrechtsaktivistinnen aktiv: So hat Lunz das gemeinnützige Centre for Feminist Foreign Policy gegründet. Tekkal hat mit ihren Schwestern die Menschenrechtsorganisation HÁWAR.help ins Leben gerufen, nachdem sie, selbst Jesidin, 2014 als Reporterin Zeugin des Völkermords an den Jesid:innen durch den IS wurde. „Wer hat euch erlaubt, Frauen so zu hassen“ ist ein Manifest, das jede der zehn Forderungen an die Bundesregierung benennt, erklärt und begründet. Darüber hinaus analysieren die Autorinnen das politische und gesellschaftliche Ökosystem, das selbst 2026 noch Täterschutz begünstigt. Das Ergebnis ist ein kurzes, klar formuliertes Buch, das seinen Leser:innen anhand von Statistiken und Exkursen zu Veränderungen des (Sexual-) Strafrechts vor Augen führt, wie vehement sich Deutschland trotz schrittweiser Verbesserungen gegen den ernsthaften Schutz von Frauen und Mädchen wehrt.

Lunz und Tekkal legen alle zehn Finger in die Wunde. Auf Basis ausführlicher Recherche werden sie konkret und verweisen auf Länder wie Spanien, in denen etwa das Thema Femizid, also die Tötung einer Frau aufgrund ihres Geschlechts, längst ernster genommen wird. Auf der gesellschaftlichen Ebene analysieren die Autorinnen, woher der Widerstand gegen konsequenten Opferschutz kommt und warum es online leichter fällt, zuzusehen statt zu handeln – auch manchen Frauen. Sie beleuchten außerdem die Narrative der Manosphere, die toxische Männlichkeit und Frauenhass schüren und per Social Media einen erschreckend weitreichenden Einfluss auf junge Menschen und besonders junge Männer ausüben. Wer aber glaubt, Frauenhass und Hetze komme nur aus der Manosphere oder von rechts, vereinfacht das Problem: Lunz und Tekkal legen dar, dass Frauenhass genauso religiös-extremistisch motiviert sein oder aus dem linken Lager kommen kann.

Eine Pflichtlektüre

Das Ziel digitaler Hetzkampagnen, deren Ursprung die Autorinnen bis zur Hexenverfolgung nachvollziehen, sehen Lunz und Tekkal darin, Frauen, die sich nicht dem Weltbild der Hetzer fügen, durch Angst zum Schweigen zu bringen. Wenig überraschend berichten beide, bereits selbst ins Visier des digitalen Mobs geraten zu sein. Umso wichtiger und beeindruckender, dass sie sich nicht den Mund verbieten lassen. Ihr Manifest stellt Deutschland nicht nur an den Pranger, es zeigt auch Gründe zur Hoffnung auf: Gemeinsam lässt sich einiges erreichen. Ihre Entschlossenheit, ihr Mut und ja, auch ihre Wut werden Leser:innen wach(er) rütteln und inspirieren.

Wer sich für das Buch von Kristina Lunz und Düsen Tekkal interessiert, sollte auch unsere Kritik zum neuen Buch von Arne Semsrott lesen

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