„American Football (LP 4)“ von American Football: Einmal Emo-Kid, immer Emo-Kid
Auf ihrem vierten Album klingen American Football komplex wie nie zuvor – doch Mike Kinsella ist im Herzen noch immer jung geblieben.

Die Geschichte ist längst Teil des Kanons: Nach nur einem Album lösen sich American Football 2000 schon wieder auf, doch das selbstbetitelte Debüt findet Fans in den Weiten des Internets und wird zur Bibel des Midwest Emo – bis die Band 15 Jahre später wieder zusammenfindet, zum Jubel der Fans. Aber wie entwickelt man sich, wenn der ganze Mythos auf der Flüchtigkeit der Jugend aufbaut?
Längst hat sich das Quartett weiter Richtung Postrock bewegt, und das mittlerweile vierte „American Football“ geizt nicht mit klanglichen Experimenten: ein proggiger Drumpart in „Man overboard“, ein funkiger Bass in „Blood on my Blood“, an Steve Reich angelehnter Hintergrundgesang in „Desdemona“.
Textlich fällt das Erwachsenwerden Mike Kinsella deutlich schwerer: „I’m scared and I don’t want to grow up“, gibt er im achtminütigen Highlight „Bad Moons“ zu. Das geht noch als reflektiert durch, aber mit Ende 40 Zeilen wie „Ask my ex-wife/She met Dr. Jekyll and Mr. Hide/I know that should be a ,Y‘/But none of my ,Whys‘ ever get answered“ zu schreiben, ist schon grenzwertig. Aber hey – zugleich sind sie der beste Beweis dafür, dass Kinsella im Herzen wirklich jung geblieben ist.
Musik


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