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Was wird aus Elio und Oliver?

Buchcover „Find me – Finde mich“ von André Aciman

Luca Guadagninos Adaption von André Acimans Roman „Call me by your Name“ mit Timothée Chalamet und Armie Hammer zählt zu den bewegendsten Liebesfilmen aller Zeiten – und natürlich endet sie tragisch. Die Romanze zwischen dem 17-jährigen Elio und dem sieben Jahre älteren Doktoranden Oliver währt nur einen Sommer: Unvergessen sind Elios bittere Tränen zu „Visions of Gideon“ von Sufjan Stevens, nachdem ihm Oliver am Telefon von seiner Verlobung in den USA erzählt hat – und dann folgt nur noch der Abspann. Auch den 69-jährigen André Aciman haben seine Figuren nicht losgelassen, und mit „Find me – Finde mich“ erscheint nun die Fortsetzung seiner bereits 2007 erschienenen Romanvorlage.

Doch wer nur an Elio und Oliver interessiert ist, braucht Geduld: In der ersten Hälfte des Romans geht es ausschließlich um Elios Vater Samuel, der auf einer Zugfahrt die junge Miranda kennenlernt. Typisch André Aciman: Das Verlieben dauert meist nur wenige Sekunden – doch wer das nicht als Kitsch beiseite wischt, wird mit klugen Reflexionen über das Begehren und diese fragilen Konstrukte namens Zweierbeziehung belohnt. Ganz ähnlich ist es, wenn der inzwischen als Pianist in Paris lebende Elio im zweiten Teil des Romans auf dem deutlich älteren Michel trifft, und schließlich ist da auch Oliver, der in Kapitel drei mit seinem Eheleben hadert. Was aber bleibt von einer prägenden Bindung, wenn die Magie des Augenblicks schon so viele Jahre vorüber ist? Erst ganz am Ende kommt es auf nicht mal 20 Seiten zum Wiedersehen von Oliver und Elio … Übrigens plant auch Guadagnino eine Fortsetzung seines Films mit allen Darstellern. An Acimans extrem gelungenem, aber fürs Kino wenig funktionalen Roman wird er sich wohl eher nicht orientieren.