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Die besten Krimis 2020: Empfehlungen für den Oktober

Die besten Krimis 1020

Thrill für den Herbst: Mit „Großes Kino“ etabliert Sascha Reh den ehemaligen Sozialarbeiter Carsten Wuttke, der jetzt mit Auftragsarbeiten für einen Clanchef sein Geld verdient und auf Sylt den Kauf einer Heidelandschaft unter Dach und Fach bringen soll. Reh schickt seinen Antihelden in den Sylter Politsumpf und lässt ihn gegen das organisierte Verbrechen vor Ort antreten – und so schafft es „Großes Kino“ auf unsere Liste der besten Krimis im Oktober 2020. Erwartungsgemäß findet man da auch James Ellroy, der mit „Jener Sturm“ den zweiten Band seines neuen L.A.-Quartetts vorlegt und den japanischstämmigen Pathologen Video Ishida im Los Angeles des Jahres 1942 zu alten Fällen ermitteln lässt. Robert Brack hat nur ganz knapp die Spitzenposition auf unserer Liste mit den besten Krimis im Oktober 2020 verpasst: Mit „Dammbruch“ gelingt es ihm erneut, ein historisches Ereignis aus Hamburgs Geschichte mit einem herrlich fiesen Gaunerstück zu verbinden. Abgehängt wurde er lediglich von einem Autoren, der das Pseudonym Leonard Bell verwendet. In „Der Petticoat-Mörder“ lässt er zum ersten Mal ein junges Ermittlerpaar im Berlin der Nachkriegszeit ermitteln – und das ist ganz sicher der Auftakt für eine erfolgreiche Krimiserie.

 

4. James Ellroy: Jener Sturm

In James Ellroys zweiten Band seines neuen L.A.-Quartetts ermittelt der japanischstämmige Pathologe Hideo Ashida im Los Angeles des Jahres 1942 zu alten Fällen. Dabei muss er sich nicht nur gegen rassistische Anfeindungen zur Wehr setzen … „Jener Sturm“ ist ein als Chronik amerikanischer Albträume zu lesender Monumental-Kriminalroman, der tief verwurzelte Gewalt bei der Polizei zeigt – und somit auch aktuelle Ereignisse in den USA spiegelt. Natürlich landet James Ellroy mit „Jener Sturm“ auf unserer Liste mit den besten Krimis im Oktober 2020.

Ullstein, 2020

976 S., 35 Euro

Aus d. Engl. v. Stephen Tree

 

3. Sascha Reh: Großes Kino

Carsten Wuppke war mal Sozialarbeiter, doch das ist schon länger her. Zuletzt verdiente der Laberkopf aus Berlin-Neukölln seine Brötchen mit Auftragsarbeiten für einen Clanchef. Als er auf der Flucht vor der Polizei ein Moped klaut, hat Wuppke erneut den Clanchef an der Backe: Das Zweirad hatte einem seiner Handlanger gehört. Ali al-Safa, genannt der Chinese, will von Wuppke Reparationsleistungen und schickt ihn deshalb nach Sylt. Dort soll er mit allen Mitteln den Kauf einer Heidelandschaft unter Dach und Fach bringen. Wuppke, dessen große Klappe den gesamten Roman dominiert, hat zwar nie einen Plan, kann sich dafür aber labernd durchs Leben lavieren. Ob es dafür auch im Sylter Politsumpf und gegenüber der organisierten Kriminalität vor Ort reicht? Für Sascha Reh reicht es allemal, um mit „Großes Kino“ auf unserer Liste der besten Krimis im Oktober 2020 zu landen.

Schöffling, 2020

320 S., 18 Euro

 

2. Robert Brack: Dammbruch

Die Sturmflutkatastophe im Jahr 1962: Robert Brack gelingt es wieder einmal, ein historisches Ereignis aus Hamburgs Geschichte gekonnt in Szene zu setzen und mit einem herrlich fiesen Gaunerstück zu verbinden. Da stimmt der Sound, da überzeugt jedes zeitgemäße Detail. Man ist hautnah mit dabei, wenn sich Lou und Piet durch das Kuddelmuddel der zappendusteren Sturmnacht kämpfen, das genauso unberechenbar ist wie die mysteriöse Betty. Denn die taucht wieder auf und verfolgt ihren eigenen hinterhältigen Plan. Ein Überlebenskampf, bei dem alle nasse Füße bekommen, so manch einer ziemliches Pech hat und nicht jedem die Gnade zuteil wird, einfach nur zu ertrinken …

Ellert & Richter, 2020

244 S., 12 Euro

 

1. Leonard Bell: Der Petticoat-Mörder

Wie man trotz vermeintlicher Genrestandards überraschend gut unterhält, zeigt die neue Serie eines Autors, der sich hinter dem Pseudonym Leonard Bell versteckt. Bei der Zeitreise in das West-Berlin der späten 1950er treffen wir auf den jungen Kriminalassistenten Fred Lemke, der gleich an seinem ersten Arbeitstag beim LKA mit seiner vorlauten Art beim altgedienten Kommissar Auweiler aneckt. Statt sich bei einem Toten am Fennsee auf Raubmord als Motiv festzulegen, folgt Lemke seinem Bauchgefühl und hält die Ermittlungen in Gang. Zusammen mit seiner ebenfalls neu eingestellten Kollegin Ellen von Stain erkennt er, dass hinter den Machtspielchen der Vorgesetzten mehr als nur ein Generationenkonflikt steckt. Wer war während des Krieges Mitläufer, wer Täter? Lemke sieht genau hin, muss aber auch lernen, richtig zu interpretieren. Eine rätselhafte Markierung auf einem blutbeschmierten Petticoat führt ihn zu einem grausamen Verbrechen. Und zu der Frage, nach welchen moralischen Grundsätzen er über Menschen richten will. „Der Petticoat-Mörder“ von Leonard Bell belegt die Spitzenposition auf unserer Liste mit den besten Krimis im Oktober 2020.

Ullstein, 2020

432 S., 9,99 Euro