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Literatur

In Bloom von Liz Allan

Eine Band als Ticket raus aus der Vorstadt: In Bloom von Liz Allan ist laut, wütend – und der Twist am Ende kommt einem Faustschlag in den Magen gleich.

Buchcover „In Bloom“ von Liz Allan

Australien, die 90er, eine Vorstadt, aus der man nur weg will. Drei Mädchen, die sich durch dick und dünn begleiten, haben einen Traum: eine Band, ein Ticket in die Großstadt, raus aus allem. Eigentlich waren sie zu viert, doch Leadsängerin Lily ist keine Freundin mehr. Sie beschuldigt ihren Musiklehrer der sexuellen Belästigung, er muss die Schule verlassen, und plötzlich stehen die anderen drei vor den Trümmern: kein Lehrer, kein Proberaum, keine Sängerin. Für sie geht die Welt unter.

Langweilig wird es in Liz Allans Roman „In Bloom“ nie. Die Musikreferenzen türmen sich, und eine Kassette im Buch trägt sogar die Playlist aller Songs. Die Mädchengang, die sich selbst The Bastards nennt, ist erfinderisch: Sie sammeln Geld, suchen Proberäume, üben und streben nach Zugehörigkeit. Und doch fallen sie immer wieder durchs Raster. Die Vaterlosigkeit liegt wie ein Schatten über ihrem Leben. Das Buch zeigt, wie anstrengend das Teenagerdasein für alle ist, und wie viel härter es ohne Geld, ohne Rückhalt und ohne liebende Eltern wird. Dabei wird auch klar, wie gefährlich das Befreien aus dieser Lage werden kann. Wer Sicherheit nie kennengelernt hat, nimmt, was er kriegen kann, und glaubt, dass ihm schon nichts passieren wird. Kapitel für Kapitel entzaubert das letzte Drittel des Romans diese Naivität mit einem Twist, der wie ein Schlag in den Magen wirkt.

Am stärksten ist der Roman in seiner Erzählweise. Durch die Wir-Perspektive sitzen wir mit im Proberaum und gehen detektivisch den Geheimnissen der Kleinstadt nach. Wir wünschen den Mädchen so sehr den Ausbruch, dass wir selbst blind werden für das Offensichtliche. Das „Wir“ gibt Zugehörigkeit und nimmt sie wieder, es wärmt und sperrt aus, bis man merkt, dass man selbst Teil der Verdrängung gewesen ist. Erst am Ende zeigt sich, dass die Erzählerinnen nicht zuverlässig sind, und plötzlich ist man genauso haltlos und überrumpelt wie die Bastards selbst.

„In Bloom“ von Liz Allan ist ein sehr kluger Roman über komplizierte Freundschaft, Verdrängung und Gewalt an Frauen, mit Wendungen die wehtun, und einer Wucht, die lange nachhallt. Grunge fließt durch jede Zeile. Rebellion, Punk und Aufruhr sprudeln aus jedem Gedanken der Band. Der Roman fühlt sich an wie „Smells Like Teen Spirit“: laut, wütend, getrieben, mit dem Wunsch, endlich gehört zu werden. Eine Band zu gründen, an seine Träume zu glauben und Kurt Cobain zu vergöttern sind gute Ansätze, um auszubrechen. Aber manchmal reichen eben selbst diese nicht aus.

Wer sich für „In Bloom“ von Liz Allan interessiert, sollte auch unsere Buchkritik zu „Junk“ von Ilona Hartmann lesen.

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