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„Die Tochter“ von Kim Hye-jin: Besser spät als nie

Buchcover „Die Tochter“ von Kim Hey-jin

Wir erfahren den Namen der Mutter nicht, und auch nicht den, den sie ihrer Tochter gegeben hat. Das allein macht deutlich: Der Konflikt, den Kim Hye-jin in „Die Tochter“ beschreibt, ist stellvertretend zu lesen für eine ganze Gesellschaft.

Obwohl die Tochter in den Dreißigern ist und an der Uni arbeitet, kann sie sich ihre Wohnung nicht mehr leisten. Sie zieht wieder bei der Mutter ein, doch ein tiefer Abgrund trennt die beiden Frauen: Die Mutter ist extrem konservativ, ihre Tochter aber schert sich nicht um Konvention, hat weder Mann noch Kinder – und liebt eine Frau. Ihre sexuelle Orientierung könnte sie ihren Job kosten, weshalb sie demonstrieren geht und in Straßenkämpfe mit der Polizei gerät. Kim erzählt diese Geschichte aus der Sicht der Mutter, deren Welt so freudlos und eng ist, dass beim Lesen das Atmen schwerfällt. Nach und nach jedoch beginnen Mitgefühl und Menschlichkeit, ihren starren Horizont zu erweitern, und das nicht nur in Bezug auf ihre Tochter. Dabei geht es Kim weniger um ein Happy End als darum, zu zeigen, dass auch ein winziger Schritt in die richtige Richtung alle Mühe wert ist.

Mit „Die Tochter“ hat es Kim Hey-jin auf unsere Liste der besten Bücher im April 2022 geschafft

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