„Lazarus Man“ von Richard Price
Richard Price, der unter anderem für „The Wire“ geschrieben hat, geht es bei „Lazarus Man“ eher um ein vielfältiges Panorama der Stadt New York als um einen rasanten Plot.
„Lazarus Man“ von Richard Price ist unsere Buchempfehlung der Woche
Auch 2008 sitzt ganz New York 9/11 noch in den Knochen, und als eine Staubwolke über Manhattan aufsteigt, denken alle das gleiche. Tatsächlich ist jedoch über Nacht ein Wohnhaus in East Harlem eingestürzt. Manche Bewohner:innen hatten Glück, andere sind gestorben, wieder andere bleiben verschwunden. Doch dann wird Anthony Carter fast unversehrt aus dem Trümmern gezogen. Mit neuem Gottvertrauen avanciert er zu einer lokalen Berühmtheit und einem Propheten der Hoffnung. Aber ist alles so passiert, wie er behauptet?
Trotz des Titels und des verdammt guten Konflikts im Zentrum gibt sich Richard Price in „Lazarus Man“ weit weniger mit Anthony ab, als man erwarten könnte. Ebenso stark interessieren ihn die anderen New Yorker:innen, die von dem Einsturz betroffen sind: der junge Felix, der Filme drehen will und die Kamera nie aus der Hand legt, die Polizistin Mary, die nach einem in der Nacht der Katastrophe Verschwundenen sucht, der Bestatter Royal, der das große Geschäft wittert, aber eigentlich seinen Job hasst, und noch einige andere. Sie alle macht Price zu komplexen, fehlerhaften, aber immer auch liebenswerten Figuren, und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase verwirren auch die häufigen Sprünge zwischen den Charakteren nicht mehr. Price, der unter anderem für „The Wire“ geschrieben hat, findet das vielfältige Panorama der Stadt New York spannender als einen rasanten Plot, und stellenweise scheint er fast den Faden seiner Geschichte zu verlieren. Wenn wir allerdings am Ende zurückblicken, stellen wir fest, dass alle Figuren eine zufriedenstellenden Abschluss gefunden haben – auch wenn es nicht der dramatische Höhepunkt sein mag, den wir uns gewünscht hätten. Obwohl im Zentrum ein zumindest scheinbares Wunder stehen mag, ist „Lazarus Man“ insofern ein überraschend realistischer Roman.
Mit „Lazarus Man“ hat es Richard Price auf unsere Liste der besten Bücher im April 2026 geschafft.