„Die Flucht der Bärin“ von Joanna Bator
Die Erzählungen in „Die Flucht der Bärin“ von Joanna Bator sind düster, surreal, erbarmungslos, und doch von einer Albtraumlogik getrieben, bei der sich etwa Menschen in Fledermäuse verwandeln.
„Die Flucht der Bärin“ von Joanna Bator ist unsere Buchempfehlung der Woche
Weder außen noch innen steht, worum es sich bei Joanna Bators Buch eigentlich handelt: Kurzgeschichten? Einen Roman? Das ist kein Unfall, denn was uns eingangs vorkommt wie eine Sammlung aus 16 für sich stehenden Erzählungen, offenbart bald mal mehr, mal weniger offensichtliche Verbindungen. Im Zentrum: der verstorbene Doktor Polny und sein Haushalt, namentlich seine beiden Töchter, ihre Freund:innen, Nachbar:innen, Angestellten und Bekanntschaften.
Beide Schwestern treffen unabhängig voneinander die Entscheidung, zu verschwinden, und auch die anderen Geschichten in „Die Flucht der Bärin“ sind bevölkert mit Menschen am Rande der Gesellschaft: Manche steigen aus und lassen ihre Familien ratlos zurück, andere haben Krankheiten oder entwickeln gefährliche Obsessionen. Gleich mehrere landen im geheimnisvollen Hotel Sudety oder auf dem verlassenen Anwesen der Polnys. Allein die Spurensuche, wie alles zusammenhängt, macht jede Menge Spaß, doch Bators Erzählungen sind weit mehr als eine Schnitzeljagd: Sie sind düster, surreal, erbarmungslos, und doch von einer Albtraumlogik getrieben, bei der sich Menschen in Fledermäuse verwandeln oder sprechenden Schildkröten begegnen. Eine Sammlung, die mehr ist als die Summe ihrer Teile – und schon die Teile allein sind verdammt gut.
Mit „Die Flucht der Bärin“ hat es Joanna Bator auf unsere Liste der besten Bücher im Mai 2026 geschafft.