MUSIK

Postrock, Heavy Metal oder Britpop? Die besten Rock-Alben der Woche

Haben wir letzte Woche einen ausgiebigen Exkurs in Sachen neue Popmusik gemacht, dreht sich diesmal alles um Gitarren: Stellt sich jetzt bloß noch die Frage: „Wie hart darf es sein?“ DMA’s heben auf „The Glow“ mit ihren Gitarren und hymnischen Gesängen zum längst überfälligen Britpop-Revival an, während Rebel Wizard — Achtung, Geheimtipp! – auf „Magickal mystical Indifference“ sämtliche Spielarten des Heavy Metal durchpflügt.

Wer sich nicht entscheiden kann, hält sich an A.A. Williams. Ihr Debütalbum „Forever blue“ liefert hymnischen Postrock, der immer wieder auch den Schlenker in Richtung Metal macht – und mit Gästen wie Cult-of-Luna-Sänger Johannes Persson ist das nicht etwa Szene-Tourismus. Noch mehr spannende neue Musik gibt es übrigens im Sound of the Week – wöchentlich auf kulturnews und auf Spotify.

DMA’s: The Glow

DMA's The GlowWer schon immer das Stadionkonzert der intimen Clubshow vorgezogen hat, dem sind DMA’s längst ein Begriff. Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 werden die Australier als die legitimen Erben von Oasis gehandelt, nur ohne den ermüdenden Bruderzwist. Nun sind Stadionkonzerte momentan weltweit eher die Ausnahme – die neue DMA’s-Platte „The Glow“ hält zumindest das Feeling am Leben: eingängige Melodien, schwelgerische Refrains und ein krachiger Breitwand-Sound, bei dem die Schultern von alleine losschunkeln.

Sänger Tommy O’Dell klingt stellenweise so sehr nach Liam Gallagher („Strangers“), dass man Flashbacks in die 90er bekommt. Dabei beschränken sich DMA‘s bei ihren Anleihen durchaus nicht nur auf Oasis. Auch andere Giganten des Britpop bekommen die Ehre erwiesen. So erinnern die funkigen Beats und elektronischen Verzierungen im Opener „Never before“ an die Stone Roses. Auch der Closer „Cobracaine“ ist tanzbarer als alles, was Noel, Liam und die anderen jemals gemacht haben.

Dass ihre Songs auch im einfachen Gewand funktionieren, bewiesen DMA’s vor zwei Jahren mit einem Auftritt bei „MTV Unplugged“ – wie übrigens unlängst auch Liam Gallagher, der erst im Juni ein betreffendes Album veröffentlicht hat. Doch akustische Livesessions gibt es während der Pandemie wahrlich genug. Da freut man sich über jede Möglichkeit, sich die Arena nach Hause zu holen.

Rebel Wizard: Magickal mystical Indifference

Rebel Wizard Magickal mystical IndifferenceEs ist eine schmale, sehr schmale Nische, die das anonyme Ein-Mann-Projekt aus Australien Rebel Wizard da besetzt hat: verzerrtes Black-Metal-Keifen, überspitztes Thrash-Gegniedel und New-Wave-Of-British-Heavy-Metal-Geschrammel. Und damit nicht genug: Neben den prominenten wiederkehrenden Elementen schimmern auf „Magickal mystical Indifference“ mit schöner Regelmäßigkeit auch noch unendliche weitere Stilmittel von Punk und Hardcore bis hin zu Death-, Stoner- sowie Power Metal und sogar Dark Ambient durch.

Eine Liebeserklärung an den Heavy Metal also, und eine Kriegserklärung an Genre- und andere gesellschaftlich geartete Schubladen. Denn das sonst durchaus massentaugliche Geballer unterbrechen immer mal wieder kryptische ideologische Parolen wie „Deny yourself nothing, give yourself infinity and eternity and discover that you do not need them“. Alles in allem ist das ein ganz schöner Riemen und nicht immer unanstrengend. Aber selbst, wenn der Herr Zauberer nicht der einzige Vertreter des selbstbetitelten Genres „Heavy Negative Wizard Metal“ wäre: Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass irgendjemand diese Musik mit mehr nerdiger Hingabe und wohlmeinendem Pathos spielen könnte.

A.A. Williams: Forever blue

A.A. Williams Forever blueGeneigte Hörer*innen werden A.A. Williams bereits von ihrer selbstbetitelten EP aus dem Jahr 2019 und ihrer Kollaboration mit der japanischen Postrock-Band Mono aus dem selben Jahr kennen. Auch auf ihrem Debüt „Forever blue“ werden wie seinerzeit düsterer Folk, zeitgenössische Klassik und elegischer Postrock stilgerecht mit härteren Spielarten schwarzmalerischer Gitarrenmusik vermengt.

Dräuende Gitarren und melancholisches Klavier wechseln sich ab, darüber schwebt erhaben Williams’ gebieterische Stimme, und direkt vom Opener „All I asked for (was to end it all)“ ist klar: Alle, die mit dem ausgiebigen Referenzrahmen von Chelsea Wolfe über Emma Ruth Rundle und Cult of Luna bis hin zu Amenra was anfangen können, sind hier goldrichtig. Besonders die Tracks, in denen A.A. Williams das Leise und das Laute geschickter ineinander übergehen lässt, versöhnen mit Sicherheit auch metalfremde Zuhörer*innen – etwa das zurückgenommenere hymnische „Melt“ oder das reduzierte „Dirt“ mit Tom Fleming von den Wild Beasts als Duettpartner.