„The Furious“: Reden ist Silber, Kloppen ist Gold
Der beste Martial-Arts-Film seit „The Raid“? In „The Furious“ werden neue Maßstäbe gesetzt, was choreografierte Gewalt angeht.
„I’m going to do an action movie that rocks the world.“ Kleiner hatte es Filmproduzent Bill Kong nicht, als er in einem Variety-Interview nach seinem neuen Film „The Furious“ gefragt wird. Und damit nicht genug. Der 1953 in Hongkong geborene Mann hinter A-Liga-Martial-Arts-Movies wie „Tiger & Dragon“, „Hero“ oder „Kung Fu Hustle“ hämmerte im selben Atemzug die Messlatte für sein neuestes Projekt gleich noch ganz oben neben den Genreklassiker „The Raid“, der bei Fans und Kritiker:innen bis heute als Blaupause der choreografierten Klopperei gilt. Ob das bescheidene Versprechen eingelöst wurde? Wir machen es ähnlich kurz wie die Dialoge dieser famosen, fast zweistündigen Schlägerei: ja. Die Dialog-Dresch-Ratio liegt bei etwa eins zu zehn, wozu auch dem Umstand beiträgt, dass die Hauptrolle, der alleinerziehende Handwerker Wang Wei (Xie Miao), stumm ist. Das sollte an dieser Stelle mit der Fußnote „lol” versehen werden.
Frei nach der Losung „Reden ist Silber, Kloppen ist Gold“. Die von Regisseur Kenji Tanigaki inszenierte Geschichte ist schnell erzählt: Wang Weis Tochter wird von einem Kinderhändlerring entführt. Beim ersten gescheiterten Befreiungsversuch trifft er auf den Journalisten Navin (Joe Taslim). Gemeinsam prügeln sie sich nun den verschleppten Kindern hinterher. Würden im Folgenden nicht so viel Blut spritzen und Gliedmaßen fliegen, könnte man diesen Film glatt als Ballett durchgehen lassen, so schön ist „The Furious“ choreografiert. Gekämpft wird mit einer Leiter, einem Hammer oder Pfeilen, wahlweise auch mal mit Fahrradpedalen und natürlich: mit den Händen. Das Gleichgewicht ist dabei entscheidend: „The Furious“ ist Show, allerdings so echt und – viel wichtiger – so nachvollziehbar inszeniert, dass es selbst diejenigen mitreißen dürfte, die sonst eher im Autorenkino beheimatet sind. Alles gipfelt schließlich in einem Crescendo der Gewalt, das neue Maßstäbe in der Martial-Arts-Fangemeinde setzen dürfte.