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Urlaub mit Musik: So war das Bear Stone Festival 2026

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Das Publikum vor der Hauptbühne beim Bear Stone 2026. (Foto: Milan Šabić)

Musikalisch wird es auf dem kroatischen Festival gern mal härter – doch so harmonisch wie das Bear Stone ist sonst kaum ein Festival.

„Es ist wie Urlaub und Festival gleichzeitig“, sagt einer der Gäste begeistert, während er eine Pizza isst. Er sagt es gleich mehrmals. Vielleicht, weil er schon ein paar Bier intus hat. Vielleicht aber auch, weil es einfach stimmt: Das Bear Stone Festival in Kroatien ist idyllisch gelegen, an einer Biegung des Flusses Mrežnica, zwischen Bergen und Bäumen. Nicht einmal Handyempfang gibt es hier, wer morgens aufs Gelände zufährt, sieht vereinzelte Fans am Straßenrand stehen, die Smartphones in die Luft gereckt. Die meisten allerdings sind auf dem Gelände, wo sie im Fluss schwimmen, sich sonnen oder chillen – und natürlich jede Menge Musik hören. Spezialisiert hat sich das Festival auf Rock in seinen härteren Spielarten: Hard Rock, Psychedelic, Stonerrock und Punk. Vom 2. bis zum 5. Juli ging das Bear Stone in seine fünfte Runde. Aber wie war’s eigentlich?

Foto: Valerio Baranović

Eine Bühne für jeden Geschmack

Drei Bühnen gibt es auf dem Festival, wobei die Hauptbühne Stone Stage erst am zweiten Tag, dem Freitag, eröffnet wird. Am Donnerstag haben Fans also die Wahl zwischen der Mill Stage, der kleinsten Bühne, die in einer ehemaligen Mühle über dem Fluss thront, und der größeren Jam Stage in der Mitte des Geländes. Hier treten die mittelgroßen Bands mit mittelgroßer Reichweite auf, aber es ist zugleich auch die Stage, die abends am längsten bespielt wird und vielen der experimentellen Acts Platz bietet. Viele Bands aus dieser letzten Kategorie gehören zu den Highlights des diesjährigen Bear Stone – dazu später mehr. Doch schon am ersten Tag zeigt die Jam Stage, wie vielseitig das Line-up des Bear Stone, trotz der ziemlich eindeutigen Festlegung, wirklich ist. Mit Stinking Lizaveta eröffnet eine schweißtreibende Punkband die Bühne, gefolgt mit dem fast radiotauglichen Indie von Scott Hepple And The Sun Band. Später wird es mit den Portugiesen von Travo noch mal richtig laut, und die Menge kocht.

Rock in allen Formen und Größen

Als am Freitag dann endlich die Stone Stage eröffnet wird, gibt es erst mal Probleme. Das Trio Daevar aus Köln kann gerade mal ein, zwei Songs performen, bevor der Sound komplett abbricht. Sängerin und Bassistin Pardis Latifi gelingt es, das Publikum durch Spontanaktionen und Witzeleien bei Laune zu halten, doch es dauert mehr als eine halbe Stunde, bis die Crew das Problem gelöst hat. Danach ist nur noch Zeit für einen letzten Song, bevor Planet Of Zeus auf die Bühne kommen. Die griechische Band ist wohl der Tiefpunkt des Festivals – weniger wegen des generischen Hardrocks, eher wegen der unangenehm mackerhaften Vibes. Auch die befremdliche Reaktion des Sängers auf die technischen Probleme Daevars – „Sie haben mir backstage erzählt, in einem ihrer Songs gehe es um eine Frau, also Shoutout an alle Frauen!“ – sorgt eher für Stirnrunzeln. Fairerweise hat allerdings auch diese Band viele Fans im Publikum.  Später gibt es instrumentellen Postrock von My Sleeping Karma und zum Abschluss klassischen Stonerrock von Uncle Acid & The Deadbeats.

Bedingt überzeugend: Planet Of Zeus

Eher enttäuschend ist an diesem Tag die kleine Mill Stage. Die eigentlich sehr witzig benannten Godzilla Was Too Drunk To Destroy Tokyo aus Italien stellen sich als ziemlich generisch heraus, und auch Drone Hunter werden ihrem Namen nur bedingt gerecht. Dafür glänzt das Zagreber Trio Žen auf der Jam Stage. Alle drei Mitglieder waren von Anfang an beim Bear Stone dabei, allerdings bisher in anderen Formationen. Ihr progressiver, auch mal fragiler Sound ist eine willkommene Abwechslung zwischen den ganzen Riffs.

Bear Stone 2026: Weirde Highlights

Am Samstag setzt sich ein Trend fort, der sich bereits vorher abgezeichnet hat: Die spannendsten Shows sucht man eher auf den weniger ausgetretenen Pfaden. Zwar sorgen Nightstalker und Elder auf der Stone Stage für spektakuläre Momente, und gerade Elder sind vor allem laut – so sehr, dass es ohne Ohrstöpsel schnell gefährlich wird. Und um 23 Uhr bringen Headliner Altin Gün, der wohl größte Name im ganzen Line-up, das Festival zu einem emotionalen Abschluss, zumindest, was die Main Stage angeht. Doch am überzeugendsten unter den Stone-Stage-Acts sind Austin TV aus Mexiko, die vor allem einfach weird sind – sowohl, was ihrem eklektischen Sound zwischen Postrock und Mathrock angeht, als auch ihre Kostüme, die ihren ganzen Körper verdecken. Ein ähnliches Outfit tragen an diesem Tag auch Upupayāma auf der Jam Stage.

Wie weiter oben erwähnt, erweist sich vor allem die Jam Stage als Goldgrube für unerwartete Schätze. Je später es wird, desto unvorhersehbarer die Acts, die dort auftreten: Am Mittwochabend spielt das britische Trio Ungraven an Sunn O))) angelehnten Doom Metal mit endlos langen Drones. Am Donnerstag tritt mit Skier And Yeti ein serbisches Duo auf, das allen gefallen müsste, die aktuell Angine De Poitrine feiern: Ein Drummer, der im Ganzkörper-Yetikostüm spielt, trifft auf einen Gitarristen und Bassisten, der seine Instrumente selbst aus Skiern gezimmert zu haben scheint. Mithilfe von Loops kommt dabei so eingängige wie komplexe Musik heraus. Am Ende der Show wird mit einer Schneekanone ins Publikum geschossen. Und am Samstagabend, direkt nach Altın Gün, wird es richtiggehend genrefremd, denn die Dänen von Smag På Dig Selv sind wohl die einzige Band des Festivals, die keine Gitarre dabeihat. Dafür zwei Saxofone, mit denen sie eine Art Analogtechno spielen. Das Publikum liebt’s.

Bei Skier & Yeti schneit es im Publikum. Foto: Sanja Matić
Smag På Dig Selv heißt auf Deutsch „Riech dich selbst“. Foto: Sanja Matić

Urlaub und Festival zugleich

In besagtem Publikum finden sich übrigens auch immer Musiker:innen. Denn die urlaubshafte, gemütliche Atmosphäre macht auch vor den Performer:innen nicht halt. Viele von ihnen bleiben nach ihrem Auftritt noch, um sich den Rest des Festivals anzusehen. Und so ist es ganz normal, dass man eine Person, die eben noch auf der Bühne stand, danach in der Schlange zum Bierstand trifft. Diese Nähe zu den Künstler:innen ist nur ein Aspekt der Stimmung, die auf dem Bear Stone dominiert: entspannt, unkompliziert, harmonisch.

Was außerdem auffällt: Die politische Ebene fehlt – bis auf wenige Ausnahmen – fast vollkommen. Kaum eine Band, die sich zum Weltgeschehen äußert. Keine Stände, keine Plakatkampagnen zu brisanten Themen. Keine Solidaritätschöre, kein Skandieren gegen oder für irgendetwas. Auch das setzt das Bear Stone von anderen Festivals ab. Wie man das findet, kann man selbst entscheiden. Klar ist: Für viele hier ist das Festival eine Auszeit – die Außenwelt darf gerne für ein paar Tage draußenbleiben, sie muss es sogar. Der Pizzaesser hat recht: Das Bear Stone ist Urlaub – vielleicht mehr als jedes andere Festival.

Die Mill Stage thront über dem Fluss. Foto: Valerio Baranović
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