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Neue Bücher von Szczepan Twardoch und Vladimir Sorokin

Buchcover „Demut“ von Szczepan Twardoch

„Putin ist geliefert“ titelte der russische Schriftsteller Vladimir Sorokin nur wenige Tage nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine in der SZ. Und der polnische Schriftsteller Szczepan Twardoch deutet den Angriffskrieg in einem Interview mit der NZZ als Schwäche Russlands und vor allem Wladimir Putins. Beide – Sorokin und Twardoch – sind auf ihre Weise Experten in Sachen Russland und der großen Kriege des 20. Jahrhunderts. Das zeigt sich auch in ihren neuen Büchern.

Im Band „Die rote Pyramide“ legt Vladimir Sorokin („Manaraga“) Erzählungen vor, die mal mitten im 20. Jahrhundert in der Sowjetunion spielen, mal fast in der Jetztzeit. Immer wieder schaut der Virtuose des Stilimitats in kleinste gesellschaftliche Einheiten. Sorokin, der früher vor keiner expliziten Schilderung drastischer Gewalt zurückgeschreckt ist, sucht heute im Alltag nach sublimeren Formen. In der Erzählung „Wellen“ hat ein Wissenschaftler, während er von seiner Frau in sanften Bewegungen zum Höhepunkt gebracht wird, kurz vor dem Orgasmus die Idee zu einem künstlichen Tsunami von 80 Metern Wellenhöhe, der die gesamte Ostküste der USA platt machen soll: Die Physik des Sex’ als Inspiration für eine Massenvernichtungswaffe.

Nicht minder direkt agiert Szczepan Twardoch („Drach“, „Morphin“): Er schickt seinen Helden, den Bergmannssohn Alois Pokora, zunächst aufs Gymnasium, dann auf die Uni und schließlich in den 1. Weltkrieg, wo Alois bald Gehirn und Gedärm seiner Kameraden im Gesicht und schließlich selbst ein Schrapnell fast im Gehirn hat. Gerade genesen, gerät er in die revolutionären Aufstände in Berlin und danach während der Aufstände in Oberschlesien komplett zwischen die Fronten. Twardoch zeigt uns sinnlich-brutal, wie ein Mensch, der in der Gesellschaft aufsteigt, am Ende allen und allem entfremdet ist. „Demut“ ist eine Roman über Identität und Krieg.

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